Was man unter "Nazi" versteht, ist halt sehr abhängig von historischer, politischer und sozialer Bildung. Ich meine hier wirklich Ansammlung und Vernetzung komplexen Wissens. Man lernt Geschichte, politische und soziale Zusammenhänge nicht nebenbei als Hausverstand. Und interessanterweise ist es simpler, all dies im Hinblick auf länger zurückliegende Epochen einigermaßen korrekt "aufzuschnappen", bei der Zeitgeschichte ist dies absolut konträr: höchst schwierig.
Jetzt lässt sich anhand einer Argumentation, der gewählten "Beweise" bis hin zur Wortwahl relativ leicht ablesen, woher jemand seine Informationen hat, wieviel davon aus dem Bauch kommt, wie wenig kritisch Quellen hinterfragt wurden etc.
Wenn Du Dich also eigentlich nicht mit Geschichte befasst hast, Dir das Parlament mehr als überflüssige Quatschbude vorkommt, keinen Bezug hast zu Burschenschaften, Verehrung von Kriegsverbrechern oder der jüdischen Weltverschwörung, ist das nicht weiter überraschend. Fallen Deine Argumente aber exakt in das aus diesen genannten Kreisen wohlbekannte Schema, benützt Du - ganz selbst gewählt natürlich! - die gleichen Begriffe, na rate mal was passieren wird, stößt Du auf Menschen, denen zeitgeschichtliche und politische Bildung zumindest irgendwann einmal im Leben wichtig war.
Es gibt kaum einen anderen Bereich des menschlichen Lebens, in dem Täuschung, Irreführung, Propaganda etc. mehr dominiert haben, als im Bereich Politik/Soziales. Da darfst Du Dich wirklich nicht wundern, wenn sich Dinge flugs in ihr Gegenteil verkehren. Aus Naivität wird Extremismus, aus gutem Glauben entstehen Kriege, der Hausverstand führt schnurstracks ins KZ.
Oder ganz einfach: Man tut sich leichter, hält man sich aus kontroversiellen Themen raus, von denen man eigentlich nichts versteht.
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