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-   -   Philosophisches: Wie lange dauert die Gegenwart (http://www.wcm.at/forum/showthread.php?t=111214)

Tarjan 06.10.2003 16:11

Philosophisches: Wie lange dauert die Gegenwart
 
... um überhaupt als solche wahrnehmbar zu sein ...

Das Jetzt muss mehr sein als die Schnittstelle zwischen Vergangenheit und Zukunft, denn die Zeit lässt sich zumindest mathematisch (doch auch real ...?) in immer kleinere Einheiten teilen, die dann entweder dem Davor oder dem Danach anheimfallen - während das Dazwischen immer mehr gegen Null tendiert.

Was bleibt dann noch übrig - wieviel muss übrig bleiben, um als Gegenwart empfindbar zu sein? Oder gibt es das Jetzt gar nicht, hinken wir stattdessen dem Zeitablauf hinterher und leben in einer konstant großen Restmenge der "jüngeren Vergangenheit" ... oder auch in einem diffusen Gemisch aus Erinnerung und Erwartung?

Tarjan 06.10.2003 16:13

Diese Thema habe ich heute im Standard gefunden: http://derstandard.at/standard.asp?id=1441106

Ich habe mich das selbst schon einmal gefragt und war erstaunt diese Frage heute im Standard wiederzufinden. Postes das hier, da ich die Frage durchaus als ernst gemeinter Anstoß zu einer Diskussion sehe.

Tarjan 06.10.2003 16:16

Die Gegenwart ist ja der Übergangspunkt von der Zukunft zur Vergangenheit. Nur wie lange dauert dieser Zeitpunkt wirklich? Lt. Physik hat ein Zeitpunklt ja keine zeitliche Ausdehnung, nur können wir wirklich etwas wahrnehmen, das gar keine Zeit dauert? Oder hat unsere wahrgenommene Gegenwart doch eine Ausdauer? Und wenn ja, wie lange dauert diese dann?

red 2 illusion 06.10.2003 16:25

.



Was meinst wie lange die Reizerkennung der Nerven geht wie schnell das Gehirn die Info verarbeiten kann und wann es dann Bewust wird.


~20ms würd ich daher sagen.

frazzz 06.10.2003 16:38

meine gegenwart dauert ein leben lang.
bin ich erst tot ist mein leben vergangenheit und vor mir liegt die zukunft.


war ja gar ned so schwer :D

pc.net 07.10.2003 18:38

die gegenwart ist die zeit vor der zukunft und nach der vergangenheit - klar ...

aber in dem moment wo ich mir der gegenwart gegenwärtig werde, ist sie schon vergangenheit ... ich kann also nicht sagen etwas ist gegenwärtig, da es ja schon vergangenheit ist (oder noch in der zukunft liegt) ...

somit ist die gegenwart prinzipiell nicht greif-/messbar ...

maXTC 07.10.2003 18:51

Wenn wir unsere Realität also nur verzögert wahrnehmen, wann findet dann der Moment statt - also das, was wir eigentlich als "Gegenwart" bezeichnen? Gibt es die Gegenwart überhaupt? Kaum ist sie da, scheint sie auch schon Vergangenheit geworden zu sein. Kann man eigentlich von "Gegenwart" sprechen, wenn niemand weiß wie lange sie dauert, und wann sie wirklich stattfindet? Sehen wir die Gegenwart einfach als einen Punkt auf unserer Zeitlinie, der sich in Richtung Zukunft bewegt, und sich exakt zwischen Vergangenheit und Zukunft befindet, ergibt sich ein weiteres Problem: Was ist Vergangenheit? Da weder die Vergangenheit noch die Zukunft zu irgend einem erlebten Zeitpunkt existent ist, könnten wir die Vergangenheit als eine Ansammlung von Informationen in unserem Kopf sehen, die sich aus der bereits erlebten Gegenwart ergibt. Ein Paradoxon, da wir ja immer noch auf der Suche nach einer Erklärung für den Begriff "Gegenwart" sind. Mit der Zukunft verhält es sich noch komplizierter. Sie ist lediglich eine logische Schlußfolgerung daraus, daß Vergangenheit und Gegenwart eine Zukunft erfordern. Außerdem ist sie verbunden mit Erfahrungswerten. Wir können davon ausgehen, daß wir irgendwann sterben müssen, da dies bei allen Menschen schon immer so war. Die Wahrscheinlichkeit ist deshalb sehr hoch, daß es uns auch einmal so ergehen wird. Es muß also so etwas wie eine Zukunft geben.
Wie lange der kürzeste Moment dauert, hängt wohl vom Betrachter selbst ab. Da keine allgemein gültige Zeit existiert, ist die Frage nach der Dauer des Moments möglicherweise überflüssig. Geht man davon aus, daß sich das Licht mit höchstmöglicher Geschwindigkeit bewegt, könnte man vielleicht behaupten, daß ein Moment solange dauert, wie ein Lichtteilchen am selben Ort verweilt. Diese Dauer ist unmöglich zu bestimmen. Die Unschärferelation würde diese Definition nicht zulassen. Und von "verweilen" kann beim Licht wohl keine Rede sein.
Letztendlich sollten wir versuchen, die schönen Momente im Leben zu genießen und alle anderen möglichst schnell wieder zu vergessen...

;)

Tarjan 08.10.2003 08:50

Physikalisch ist es sehr leicht von einen Punkt auf der Zeitachse zu sprechen, nur physiologisch betrachtet schätze ich dass dieser Zeitpunkt etwas an Ausdehung haben muss um von uns überhaupt Wahrgenommen zu werden. Und das ganze wird dann auch noch von unseren Geist verzerrt, man braucht ja nur die psychologisch verschiede Dauer gewisser Zeitspannen ansehen. Eine Stund ekann eine Ewigkeit dauern oder sehr schnell vorbeisein.

frazzz 08.10.2003 09:35

gegenwart ist relativ :confused:

der augenblick der gegenwart kann zum beispiel im falle eines unfalles unendlich lang werden, alles läuft in zeitlupe ab, du siehst was passieren wird, die reaktionen kommen exakt und präzise zum richtigen zeitpunkt der gegenwart, nur die wahrnehming des ganzen ist sehr gedehnt.

andererseits kommt es in einer ähnlichen situation zu einer verdichtung der gegenwart auf einen punkt, alles läuft so schnell ab, die wahrnehmung kommt überhaupt nicht mehr mit, alles endet in der frage: was war jetzt überhaupt :eek:

die zeitliche abfolge bzw. die dauer des vorfalles ist in beiden fällen realtiv die selbe anzahl von millisekunden groß

also die absolute gegenwart des augenblicks hat wenig mit unserer wahrnehmung desselben zu tun



pfuhh, und das am morgen :D

Tarjan 08.10.2003 10:19

Deswegen unterscheide ich ja zwischen der physikalischen Gegenwart und der psychologischen. Obwohl statt der psychologischen Gegenwart hätte ich besser subjektiven Gegenwart schreiben sollen. Physikalisch ist es ja leicht, ein bestimmte Zeitspanne lässt sich mit einer Uhr sehr leicht messen. Die Gegenwart ist physikalisch gesehen ein Zeitpunkt. Nur subjektiv können halt zwei physikalische gleich lange Zeitspannen einen subjektiv sehr unterschiedlich lange vorkommen. Und da stellt sich mir die Frage, wie lange eben die subjektive Gegenwart ist.


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