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Inventar
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Der 199-Dollar-PC von Walmart - ausgerüstet mit einem Via-C3-800-MHz-
Prozessor, 128 MB Arbeitsspeicher, 10 GB Harddisk und CD-ROM-Laufwerk. Monitor, Modem und Disketten-laufwerk sind im Preis nicht Inbegriffen. Der englische PC-Hersteller Evesham (www.evesham.com) bietet neuerdings einen Lindows-PC für nur 400 Euro an und in den USA gibt es¨bei Walmart (www.lindows.com/waimarl) schon welche für unter 200 Dollar. Lindows vereint die Vorteile von Win- dows und Linux in einem kostengünsti- gen Betriebssystem», verkündete voll- mundig Michael Robertson bei der ersten Ankündigung von LindowsOS im Juli 2001. Das System sei so stabil wie Linux und genauso einfach zu bedienen wie Windows, hiess es. Doch zunächst gab es Ärger mit Microsoft wegen dem Namen «Lindows». Das Urteil darüber erging zu- gunsten von Lindows und darauf hatte der streiterprobte Lindows-Chef Michael Robertson wohl gehofft, denn der Prozess bescherte Lindows eine weltweite kosten- lose PR und Beachtung. Robertson weiss um die PR-Wirkung von Prozessen, die nach dem Stil von Da- vid gegen Goliath verlaufen. Schon seine frühere Firma mp3.com war weniger mit dem Musik-Service bekannt geworden, als durch die Prozesse im dreistelligen Millionenbereich mit der Plattenindustrie. Damals gefiel sich Robertson in der Rolle des Robin Hood, der sich mit der allmächtigen Mu- sikindustrie anlegte, um für Milliarden von Musikfreun- den mp3-Musik zu erstreiten. Auch jetzt sagt Robertson über sein Lindows: «Ich will den Status quo bei den Betriebssystemen aufbrechen, das ist die grösste Herausforderung für mich.» Lindows trete für die Öffnung des Betriebssystemmarktes ein. Ziel sei es, so Robertson, eine benutzerfreundliche Linux- Version für Desktop-Computer auf den Markt zu bringen, die darüber hinaus auch noch kostengüns- tiger sei. Robertsons Linux-Erfahrungen müssen weit zurückliegen. Red Hats 8.0, Suses 8.1 und auch Man- drakes 9.0 sind in der Benutzerführung unvergleichbar mit dem, was Linux vor ein paar Jahren anbot. Lindows ist aber viel näher an Windows. Wer Windows gewöhnt ist, hat mit Lindows zunächst keine Bedienungs- probleme. Der Desktop und die Struktur der Icons sind identisch. Auch die Benutzerführung ist gleich: Per Dop- pelklick öffnen sich die zugehörigen Programme und Menüs. Die Installation ist äusserst einfach und dürfte auch Laien keinerlei Probleme bereiten. Teures Abonnement Wer allerdings Lindows haben und betreiben möchte, muss im Vergleich zu Windows erheblich umdenken, denn Lindows hat unter anderem Business-Praktiken ein- geführt, von denen Microsoft noch träumt - und mit de- nen die Redmonder im Kartellverfahren auch sehr schlecht ausgesehen hätten: Den lebenslangen Produkt-Wartungsdienst. Wer sich Lindows per Download oder CD beschafft, er- hält kostenlos nur eine miese Linux-Rumpfsoftware, die erst durch weitere Downloads von der Anwendungsda- tenbank «Click-n-Run» zu einem aktuellen System aufge- rüstet werden kann. Der Zugang zu dieser Datenbank ist an ein 100-Dollar-Jahresabo gekoppelt, sodass man von zukünftigen Updates abgekoppelt ist, so- fern man das Abo kündigt. Und das gilt auch dann, wenn es sich bei den Updates um Sicherheitsmängel oder Fehlerbehebung handelt. In dieser Datenbank sind auch die weiteren Anwen- dungsprogramme wie beispielsweise OpenOffice. Laut Lindows sollen es inzwischen über 1000 Programme sein. Dabei muss man sich darüber im Klaren sein, dass man diese Datenbank praktisch nur nutzen kann, wenn man einen (teureren) Breitbandanschluss hat, wie sonst will man die 60 MB von OpenOffice runterladen? Darüber hinaus fragt man sich, warum man überhaupt ein Jahresabo für Software bezahlen muss, die es ansons- ten für Linux kostenlos gibt. Der Grund ist einfach, denn in der Datenbank sind auch viele Lindows-spezielle Pro- gramme gespeichert, auf die man Zugriff haben muss, wenn man sein System weiterhin funktionsfähig halten will. Diese Datenbank ist die Basis, mit der Lindows sein Geld verdienen will. Der alte Trick mit den Öllampen Vermutlich stellt Lindows seinen OEMs das vorinstal- lierte System ohne Lizenzgebühr zur Verfügung und möglicherweise zahlt Lindows sogar noch pro verkauf- ten PC an seine OEMs. Nur so ist es erklärbar, dass Wal- mart in den USA die PCs für 200 Dollar verkaufen kann. Auch die im Oktober vom englischen PC-Hersteller Evesham zum Preis von 400 Euro auf den Markt ge- brachten PCs können nicht nur deshalb so billig sein, weil für sie keine Lizenz an Microsoft zu zahlen ist - selbst mit einer kostenlosen Linux-Installation müssten sie teurer sein. Der Trick mit den billigen Lindows-PCs ist also der alte Marketing-Trick wie bei den Öllampen oder den Tintenstrahldruckern: Das Produkt wird (fast) verschenkt - verdient wird am Betrieb. Wer sich also Lindows installiert oder einen entsprechenden PC kauft, unterschreibt einen Blankoscheck auf seine zukünftigen Betriebskosten. Preiserhöhungen auf 130 und 300 Dollar für den Zugriff auf die Datenbank sind schon auf der Webseite von Lin- dows angekündigt. Irgendwann wird dann ein noch teu- rer «Primeservice» eingeführt und es könnte einem pas- sieren, dass man beim Anschluss neuer Peripherie mehr für den Treiber als für das Gerät zahlt. Robertson und sein Lindows haben nichts gemeinsam mit den so lauthals propagierten «offenen Standards und Systemen» - im Gegenteil: Robertson versucht sein ge- scheitertes MP3-Musikabo-Modell auf die Betriebs- systemwelt zu übertragen. Nur wer es sich leisten kann, sollte ihm folgen.
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Gerade weil wir alle in einem Boot sitzen, sollten wir heilfroh darüber sein, daß nicht alle auf unserer Seite stehen. |
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