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Microsoft KARRIERECAMPUS

 
 
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Alt 04.11.2002, 22:06   #1
Loewe
Inventar
 
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Beiträge: 2.556


Standard Lindows PC's mit Köderpreisen.

Der 199-Dollar-PC von Walmart - ausgerüstet mit einem Via-C3-800-MHz-
Prozessor, 128 MB Arbeitsspeicher, 10 GB Harddisk und CD-ROM-Laufwerk.
Monitor, Modem und Disketten-laufwerk sind im Preis nicht Inbegriffen.

Der englische PC-Hersteller Evesham (www.evesham.com) bietet neuerdings einen Lindows-PC für nur
400 Euro an und in den USA gibt es¨bei Walmart (www.lindows.com/waimarl) schon welche für unter 200 Dollar.

Lindows vereint die Vorteile von Win-
dows und Linux in einem kostengünsti-
gen Betriebssystem», verkündete voll-
mundig Michael Robertson bei der ersten
Ankündigung von LindowsOS im Juli
2001. Das System sei so stabil wie Linux
und genauso einfach zu bedienen wie
Windows, hiess es. Doch zunächst gab es
Ärger mit Microsoft wegen dem Namen
«Lindows». Das Urteil darüber erging zu-
gunsten von Lindows und darauf hatte der
streiterprobte Lindows-Chef Michael
Robertson wohl gehofft, denn der Prozess
bescherte Lindows eine weltweite kosten-
lose PR und Beachtung.

Robertson weiss um die PR-Wirkung
von Prozessen, die nach dem Stil von Da-
vid gegen Goliath verlaufen. Schon seine
frühere Firma mp3.com war weniger mit
dem Musik-Service bekannt geworden, als
durch die Prozesse im dreistelligen Millionenbereich
mit der Plattenindustrie.
Damals gefiel sich Robertson in der
Rolle des Robin Hood, der sich mit der allmächtigen Mu-
sikindustrie anlegte, um für Milliarden von Musikfreun-
den mp3-Musik zu erstreiten.
Auch jetzt sagt Robertson über sein Lindows: «Ich will
den Status quo bei den Betriebssystemen aufbrechen, das
ist die grösste Herausforderung für mich.» Lindows trete
für die Öffnung des Betriebssystemmarktes ein. Ziel sei
es, so Robertson, eine benutzerfreundliche Linux-
Version für Desktop-Computer auf den Markt zu
bringen, die darüber hinaus auch noch kostengüns-
tiger sei. Robertsons Linux-Erfahrungen müssen weit
zurückliegen. Red Hats 8.0, Suses 8.1 und auch Man-
drakes 9.0 sind in der Benutzerführung unvergleichbar
mit dem, was Linux vor ein paar Jahren anbot.
Lindows ist aber viel näher an Windows. Wer Windows
gewöhnt ist, hat mit Lindows zunächst keine Bedienungs-
probleme. Der Desktop und die Struktur der Icons sind
identisch. Auch die Benutzerführung ist gleich: Per Dop-
pelklick öffnen sich die zugehörigen Programme und
Menüs. Die Installation ist äusserst einfach und dürfte
auch Laien keinerlei Probleme bereiten.

Teures Abonnement
Wer allerdings Lindows haben und betreiben möchte,
muss im Vergleich zu Windows erheblich umdenken,
denn Lindows hat unter anderem Business-Praktiken ein-
geführt, von denen Microsoft noch träumt - und mit de-
nen die Redmonder im Kartellverfahren auch sehr
schlecht ausgesehen hätten: Den lebenslangen Produkt-Wartungsdienst.

Wer sich Lindows per Download oder CD beschafft, er-
hält kostenlos nur eine miese Linux-Rumpfsoftware, die
erst durch weitere Downloads von der Anwendungsda-
tenbank «Click-n-Run» zu einem aktuellen System aufge-
rüstet werden kann. Der Zugang zu dieser Datenbank
ist an ein 100-Dollar-Jahresabo gekoppelt, sodass
man von zukünftigen Updates abgekoppelt ist, so-
fern man das Abo kündigt. Und das gilt auch dann,
wenn es sich bei den Updates um Sicherheitsmängel oder
Fehlerbehebung handelt.
In dieser Datenbank sind auch die weiteren Anwen-
dungsprogramme wie beispielsweise OpenOffice. Laut
Lindows sollen es inzwischen über 1000 Programme sein.
Dabei muss man sich darüber im Klaren sein, dass man
diese Datenbank praktisch nur nutzen kann, wenn man
einen (teureren) Breitbandanschluss hat, wie sonst will
man die 60 MB von OpenOffice runterladen?
Darüber hinaus fragt man sich, warum man überhaupt
ein Jahresabo für Software bezahlen muss, die es ansons-
ten für Linux kostenlos gibt. Der Grund ist einfach, denn
in der Datenbank sind auch viele Lindows-spezielle Pro-
gramme gespeichert, auf die man Zugriff haben muss,
wenn man sein System weiterhin funktionsfähig halten
will. Diese Datenbank ist die Basis, mit der Lindows
sein Geld verdienen will.

Der alte Trick mit den Öllampen
Vermutlich stellt Lindows seinen OEMs das vorinstal-
lierte System ohne Lizenzgebühr zur Verfügung und
möglicherweise zahlt Lindows sogar noch pro verkauf-
ten PC an seine OEMs. Nur so ist es erklärbar, dass Wal-
mart in den USA die PCs für 200 Dollar verkaufen kann.
Auch die im Oktober vom englischen PC-Hersteller
Evesham zum Preis von 400 Euro auf den Markt ge-
brachten PCs können nicht nur deshalb so billig sein,
weil für sie keine Lizenz an Microsoft zu zahlen ist -
selbst mit einer kostenlosen Linux-Installation müssten
sie teurer sein.
Der Trick mit den billigen Lindows-PCs ist also
der alte Marketing-Trick wie bei den Öllampen oder
den Tintenstrahldruckern: Das Produkt wird (fast)
verschenkt - verdient wird am Betrieb. Wer sich also
Lindows installiert oder einen entsprechenden PC kauft,
unterschreibt einen Blankoscheck auf seine zukünftigen
Betriebskosten.
Preiserhöhungen auf 130 und 300 Dollar für den Zugriff
auf die Datenbank sind schon auf der Webseite von Lin-
dows angekündigt. Irgendwann wird dann ein noch teu-
rer «Primeservice» eingeführt und es könnte einem pas-
sieren, dass man beim Anschluss neuer Peripherie mehr
für den Treiber als für das Gerät zahlt.
Robertson und sein Lindows haben nichts gemeinsam
mit den so lauthals propagierten «offenen Standards und
Systemen» - im Gegenteil: Robertson versucht sein ge-
scheitertes MP3-Musikabo-Modell auf die Betriebs-
systemwelt zu übertragen. Nur wer es sich leisten kann,
sollte ihm folgen.
____________________________________
Gerade weil wir alle in einem Boot sitzen, sollten wir heilfroh darüber sein, daß nicht alle auf unserer Seite stehen.
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