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Alt 19.11.2000, 22:39   #40
Heinz Richner
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Hallo zusammen

heute gehts weiter mit einem Erlebnisbericht zur begonnen praktischen Ausbildung.

Die praktische Schulung läuft nach den Ausbildungsvorschriften der JAR/FCL ab, damit auch die Lizenz entsprechend erworben werden kann.

Stufe 1 : Basisausbildung
Stufe 2 : Standardverfahren im Flugplatzbereich
Stufe 3 : Notverfahren Teil 1
Stufe 4 : Festigungsphase und erste Alleinflüge
Stufe 5 : Ueberlandflug Teil 1
Stufe 6 : Notverfahren Teil 2
Stufe 7 : Ueberlandflug Teil 2
Stufe 8 : Lagefliegen nach Instrumenten
Stufe 9 : Radionavigations-Ausbildung
Stufe 10: Prüfungsvorbereitung

Die Mindestflugzeit beträgt 40 Stunden sowie 5 Stunden Simulator. Darin sind alle nach JAR 1.125 vorgeschriebenen Uebungen enthalten.

Vor jedem Flug wird zusammen mit dem Fluglehrer ein Briefing gemacht. Wird der Flug (in Stufe 1 üblich) ausserhalb der CTR (Kontrollzone)durchgeführt, wird ein Navigations-Flugplan mit einer Route selbständig erarbeitet. Dazu kommt die Analyse der Wettersituation (METAR, TAF, GAFOR, Prognose) sowie das KOSIF (militärische Aktivitäten) und die NOTAM der Flugroute. Die Flugvorbereitung wird vom Schüler selbständig gemacht. Hilfe vom Fluglehrer ist nicht zu erwarten, Kritik jedoch schon.

Bern LSZB ist ein kontrollierter Luftraum mit ATC. Deshalb wird auch von Anfang an die Anwendung des Flugfunks mit allen Freigaben und Meldepunkten notwendig. Dies hat mich am Anfang extrem gestresst. Heute laufen die wichtigsten Meldungen schon recht gut ab.

In der Basisausbildung (Stufe 1)haben wir folgende Uebungen gemacht :
- Bodenoperation, Rollen, Line up
- Halten der Flugrichtung mit Hilfe von Sichtreferenzen
- Austrimmen des Flugzeuges in jeder Fluglage
- Anpassen des Anstellwinkels bei Aenderung der Motorleistung
- Einnehmen und Halten von Steigflug und Sinkflug
- Luftraumüberwachung
- Kurven mit Querlagen von 20,30 und 60 Grad Bankangle
- Horizontalflug mit verschiedenen Flügelklappenstellungen
- Koordination der Fluglage in Abhängigkeit der Konfiguration
- Fluglage und Bewegungsrichtung bei Endanfluggeschwindikeit
- Checks und Verfahren auf simulierten Platzrunden
- Durchstarten ( go around )
- anfliegen des Aiming-Points mit anschliessendem go araound

Bei allen Uebungen sind Toleranzen in der Höhe von +-100ft, Geschwindigkeit +-5kts, und Heading +-10 Grad einzuhalten.

Nach jedem Flug gibt es mit dem Fluglehrer ein Debriefing. Der Schüler muss alle positiven und negativen Punkte notieren und die Zielsetzung des Fluges als erfüllt oder eben nicht erfüllt bewerten. Nach Rücksprache mit dem Fluglehrer werden Problempunkte analysiert und nochmals erklärt. Dies ermöglicht beim nächsten Flug die richtige Korrektur.

Die Anforderungen in der Basisausbildung sind enorm. Da sollen die Funkfreigaben korrekt erlangt werden, die Centerline gehalten, die Checks im Fluge auswendig durchgeführt werden, die Höhe gehalten, das Power-Setting richtig eingestellt, die Richtung trotz 22 kts Seitenwind gehalten, Luftraum beobachtet werden, und da fragt einem der Fluglehrer noch - wo sind wir jetzt gerade ? Dann sollte man von oben herab, wo die Welt sowieso ganz anders aussieht noch sagen, über welchem Dorf man sich gerade befindet! Und kaum sind wir wieder 5 Minuten vor dem CTR hast du zu melden : HB-HER report November for landig via lefthand downwind Runway 14 . Natürlich wäre da noch die vorgeschriebene Höhe von 3800ft am Punkt November einzuhalten.

All diese Prozeduren in logischem Ablauf zu erfüllen, haben mich schon sehr gefordert. Im Flusi hast du immer die Gewissheit, dass ein Manipulationsfehler zwar nicht so toll, aber doch noch nicht lebensbedrohlich ist. Real gibt es keine Toleranzen - ein grober Fehler und du landest kopfüber im Wald. Da gibts nur eins - üben-üben-üben.

Zur Zeit bin ich in Stufe 2 angelangt. Auch darüber werde ich wieder berichten.

Gruss
Heinz


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