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Seht her, ich bin's!
Registriert seit: 27.03.2000
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Ojwehhhh....
Schalte mich sehr spät in den Threat ein daher wird'd lang. Werde Zitate nicht quoten, da zu langwierig, sondern Aussagen (ohne Autor) nur erwähnen, müsste sonst den ganzen Threat nochmals durchsuchen...
Also:
1) Zum Eingangsposting:
Es wird da erwähnt, dass die IKG bei einem Anlagewert von 1,8Mrd. 650Mio SchuldenATS 75Mio Einkünfte hatte. Weiters wird festgestellt, dass die Ausgaben 114Mio betrugen... Der Unterton: Sollen halt sparen...
Überlegt mal:
Die IKG hat Immobilien renoviert. Das ist nötig. Sie musste es mit Fremdkapital tun, da 6000 verbliebene Juden dies nicht finanzieren können.
So kommt es zu 650Mio Schulden.
Diese kosten - unter Brüdern - 50Mio Zinsen/Jahr.
Wenn die IKG dann auch nur 12 Objekte mit 2 Personen 24h/Tag bewachen muss, so benötigt sie etwa 80 Mann Wachpersonal zu bezahlen, was - wieder unter Freunden - so mit 56Mio zu beziffern ist. (Das hier nicht österr. Polizei verwendet wird, dürfte an den Kosten liegen, kostet doch ein Polizist ca. ATS 350/h wenn man ihn "anmietet", was dann etwa die vierfachen Kosten verursachen würde) Dazu noch ein paar Leute für die Verwaltung und es bleibt für die eigentlichen Aufgaben der IKG nichts mehr übrig, obwohl bereits weitaus mehr ausgegeben, denn eingenommen wurde.
Arial Muszikant forderte keine Entschädigung (er stellte nur fest, dass, hätte es entsprechende Entschädigungen nach dem Krieg gegeben, die IKG heute nicht in dieser Situation wäre) er fordert, dass die Bewachungskosten von der Republik getragen werden. Diese Forderung ist legitim.
Es handelt sich bei den Gebäuden der IKG um Eigentum einer österreichischen Gesellschaft. Dieses hat, so es gefährdet ist, vom österreichischen Staat geschützt zu werden.
Die Frage ist nur, ob die Liegenschaften wirklich gefährdet sind. Das dürfte der Streitpunkt sein.
Dass sowohl Muszikant, als auch die österreichischen Politiker sich in dieser Diskussion wieder einmal derart ungeschickt verhalten haben, dass es zu einer derartigen Emotionalisierung kam, ist ein Armutszeugnis.
Das sich die östereichische Bevölkerung bei diesem Thema derart emotionalisieren lässt, zeigt für mich aber, dass die Angst der jüdischen Gemeinde vor Übergriffen vielleicht doch nicht so weit hergeholt ist - wobei hier das internationale Bedrohungsspektrum noch nicht einbezogen ist.
2) Da wird geschrieben, dass 4/5 der Juden von der Kultusgemeinde nichts mehr wissen wollen.
Was die meisten hier nicht zu wissen scheinen, ist, dass nur Mitglieder der Kultusgemeinde auch offiziell Juden sind.
a) Es ist für mich leicht nachvollziehbar, dass 4/5 der Juden in Österreich es vorziehen, sich nicht als Juden zu deklarieren...
b) Das Judentum hat in der heutigen Zeit natürlich ebenso mit "Austritten" zu kämpfen, wie andere Religionen. Wobei zu bemerken ist, dass der Beitritt zur IKG freiwillig erfolgt.
Ich möchte nicht wissen, wo die katholische Kirche heute ohne die, während der NS-Zeit eingeführte, Kirchensteuer stünde. Trotzdem regt sich niemand darüber auf, wenn die Kirche für die Renovierung irgendeines Gebäudes oder die Aufrechterhaltung irgendeiner Institution versucht, zusätzliche Subventionen zu erlangen...
Kommen wir nun zu einer der Aussagen, die mich am meisten erschüttert haben.
Da werden im Zuge der Diskussion über Repartionszahlungen und Rückerstattung enteigneten Eigentums 200-300 Pensionsmilliarden angeführt, die im Laufe der Jahrzehnte an Juden im Ausland bezahlt wurden. Und es erfolgt kein Aufschrei...
Leute, dass sind Pensionen, die an ÖSTERREICHISCHE BÜRGER ausbezahlt wurden, die aus ihrer Heimat vertrieben worden und der Staatsbürgerschaft für verlustig erklärt worden sind!!!
Nach dem Krieg bestand das Problem mit den Einzahlungszeiträumen für Pensionen. Dieses Problem bestand für Österreicher ebenso, da Einzahlungszeiten während des NS-Regimes mit der neugegründeten Republik eigentlich nichts zu tun hatten. Es wurden entsprechende Verordnungen und Gesetze erlassen, die es Österreichern ermöglichte, sowohl in der 1. Rep. als auch während des Anschlusses erworbene Pensionsansprüche geltend zu machen.
In diesem Zusammenhang sind auch die Sondergesetze für Vertriebene mit aberkannter Staatsbügerschaft zu sehen. Ihre Pensionsansprüche aus der Zeit vor WW2 wurden einfach anerkannt, die Kriegszeit soweit ich weiss, auch.
Die daraus folgenden Zahlungen als Reparation zu sehen, ist schlicht und ergreifend eine Gemeinheit!
Damit wären wir bei den Reparationen an sich.
Um diese, wie um die Rückgabe von jüdischem Vermögen hat sich die Zweite Republik sehr lange, sehr erfolgreich gedrückt.
Es wurden zwar immer wieder irgendwelche Zahlungen geleistet, jedoch kamen die nie auch nur annähernd an den entstandenen Schaden heran. (Auf das Leid, dass diesen Menschen angetan wurde und eigentlich ein Schmerzensgeld verdient hätte, soll gar nicht eingegangen werden).
Dass sich die Republik um Zahlungen drückte, ist allerdings insoferne verständlich, als
1) die wirtschaftliche Lage nach dem Krieg schwierig war,
2) zu fürchten war, dass, würde man sich zu grosszügigen Reparationen verpflichten, die das Staatsbudget und den Wiederaufbau behinderten, in weiten Teilen der Bevölkerung neuerlich eine antisemitische Bewegung entstehen könnte und
3) sich sämtliche österreichischen Parteien aus politischem Kalkül für ehemalige NSDAP-Mitglieder und Mitläufer geöffnet hatten und man seine neugewonnene Klientel nicht verlieren wollte...
Wenn nun, 50 Jahre nach dem Krieg endlich etwas geschieht, so ist dies höchste Zeit.
Sicher ist es richtig, dass die, die jetzt zahlen, zum Grossteil nicht diejenigen sind, die das Unrecht verschuldet haben, jedoch sind sie die NUTZNIESSER des nicht in Reparationen geflossenen Kapitals, bzw. der nicht retournierten Vermögenswerte. Das sollten alle, die da immer wieder auf die "Gnade der späten Geburt" pochen, bedenken...
Fortsetzung - längenbedingt - im nächsten Beitrag...
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Guido
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