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Alt 29.03.2000, 17:35   #26
Peter Guth
Veteran
 
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Hallo, Männer,

nachdem nun jetzt viele Mutmassungen und Theorien ausgetauscht wurden, hier noch etwas grundsätzliches:

Jeder Pilot muß bei der Airline diverse Testverfahren durchlaufen. So auch als "basic" vor der Einstellung. Der genannte Pilot hätte sicherlich keinen Vertrag erhalten, wenn er bereits damals schwerwiegende Auffälligkeiten gezeigt hätte. Im Rahmen der ständig wiederkehrenden Prüfungen zur Linzenzverlängerung kann es sehr wohl passieren, dass man einen Test und/oder einen Simulatortrainingsflug "verhaut". Mir ist das selbstverständlich auch schon passiert. (Leo, wie ist das bei Dir???..)

Dadurch ist man aber seine Lizenz nicht los. Es wird jedoch anschließend pinibel und tiefgründig analysiert, welche Probleme der Pilot hat und hatte. Es findet danach ein spezifisches Training statt, bevor der Test wiederholt wird. Und selbst bei einen erneuten Versagen bietet die Airline erweiterte Hilfe an. Ich erinnerne mich an einen Flighttest, bei dem meinem damaligen FO (er war PF) der Flightdirector "weggeschaltet" wurde. Und der junge Mann geriet immer mehr in Panik, weil er sich mit der Ursachenfindung aufhielt. Es wäre zum Absturz gekommen...

Aber gerade hier greift ja das MCC (Multi Crew Concept) ein. Was nichts anderes heißt, dass man als Kollege daneben sitzt, die temporären Probleme beobachtet, erkennt und handelt, also kurzer Meinungsaustausch und dann mein Kommondo: "I take controlle"...

Der Kollege hat bei einem erneuten Flighttraining wieder versagt, sodass man ihnm ein intensives Nachschulungsprogramm auferlegte, was letztendlich zum Erfolg führte.

Hier soll es also heißen: nicht der Pilot versagt, sondern die Flightcrew gemeinsam. Und in den menschlichen Strukturschwächen (PIC spielt den Chef, den lieben Gott...) liegt die Ursache dafür, dass etwa 88% aller Flugunfälle auf schlechtes Airmenship zurück zu führen ist, was nichts anderes heißt als Pilotenfehler.

Wenn ein FMC verrückt spielt oder irgendwelche merkwürdigen Flugmanöver von "backgroundsystems" durchgeführt werden, so hat die Crew grundsätzlich einzugreifen "keep the aircraft flying". Und das erkennen dieser Probleme, darauf liegt ja gerade das nicht endende Traininbgsvolumen der Testverfahren.

Deshalb nochmals meine Empfehlung: lasst uns diese Diskussionm hier solange aussetzen, bis irgend jemand die tatsächlichen Ursachen des Flugunfalls herausgefunden hat. Und dieser Jemand wird sicherlich nicht die Presse oder ggf ein Airlinekollege sein, der mit einem der betroffenen Piloten irgendwann einmal Stress hatte. Ich weiß genau, was da oft läuft, dieses begnadete Mobbing, wenn einer beim Stoppover dem anderen ein Mädel abends an der Hotelbar wegschnappt und die Jungs sich dann über Lichtjahre hinweg spinnefeind sind...

Gruß Peter Guth

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