Lieber Hugo,
> Es sind immerhin zwei Crossair Piloten, die in diesem Artikel diese Behauptungen aufstellen.
> Und der nicht erfüllte Psychotest des FO ist Tatsache. Das beunruhigt mich schon!
Mein Punkt ist im wesentlichen, daß eine Unfalluntersuchung notwendigerweise mit *wissenschaftlichen* Methoden geführt werden muß. Das heist einerseits, daß eine Behauptung (wie sie eben von den beiden Crossair-Piloten kommt), mit aussagekräftigen Beweisen untermauert werden muß. Beweise in diesem Sinne sind z.B. Aufzeichnungen des Datenschreibers oder des Voice Recorders, Radar-Aufzeichnung, technische Analysen von Instrumenten oder Bauteilen etc.
Des weiteren müssen die Ermittler ihre eigenen Thesen hinterfragen und auch andere mögliche Ursachen untersuchen. Der erste Schluß muß nicht der richtige sein. Zudem kommt es darauf an, die richtigen Fragen zu stellen und, noch viel wichtiger, aus dem Unfall zu lernen.
Die Behauptungen in dem zitierten Artikel lassen viele Fragen offen. Warum kann ein charakterlich ungeeigneter Pilot überhaupt eingestellt werden? Wo bleibt eigentlich das Crew Resource Management (soll heissen, warum übernimmt der PF Aufgaben des PNF, nur "weil es ihm zu langsam geht"?) Wieso verliert ein Captain mit womöglich zig tausend Stunden IFR-Erfahrung einfach mal so "den künstlichen Horizont aus den Augen"?
Ein vernünftiger Unfallbericht und ein glaubwürdig recherchierter Artikel sollte auch Fragen beantworten, die sich zwangsläufig daraus ergeben. Ich könnte auch sagen, erst wenn verstanden ist, warum sich eine Crew falsch verhalten hat, läßt sich ein ähnlicher Unfall vermeiden. Mit der Behauptung, *daß* sich die Crew falsch verhalten hat, ist keinem gedient.
(P.S. Es gab - Details könnte ich recherchieren - mal eine chinesische Untersuchung, die sich sinngemäß las wie: "Die Bremsen haben versagt. Daher ist das Flugzeug über die Landebahn hinausgeschossen." Tja...ich würde sagen, in dem Report stand nichts, was zukünftige Unfälle vermieden hätte.")
MfG
Markus
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