Hallo allseits!
Wird Zeit, daß ich mich auch wieder einmal zu einem Flusi-Thema zu Wort melde und ich möchte hier gleich vorweg bitten, dies als eine ganz normales Posting zu Peters Thema zu verstehen. Als meine ganz persönlich Meinung und nicht als "offizielles FlighXPress-Statement". Alles klar? Also dann...
Darf ich dieses interessante Thema von einer anderen Seite angehen: von den ein- bis zweimotorigen, Kolbenmotor getriebenen Kleinflugzeugen, die ich einfach bevorzuge. Solche Maschinen stehen in meinen FS-Startsituationen auf dem APRON meines Heimatflughafens - mit kaltem Cockpit. Sowohl im FS98, als auch im FS2000.
Nun bin ich - wie Ihr alle wisst - berufsbedingt gezwungen, immer wieder neue Flugzeuge zu installieren und auszuprobieren (auch größeres Gerät). Also: FS98 hochfahren, neues Luftfahrzeug auswählen... Nichts ist so lästig, wie wenn jetzt der Tankwahlschalter fehlt... meiner steht nämlich auf "aus".
Im FS2000 ist es noch grauslicher. Da fehlt z.B. einem Flugzeug der Hauptschalter. Klasse, da hilft nur noch, eine andere Situation zu laden, in der dieser eingeschalten ist, den andernfalls sterben Triebwerke nach Autostart sofort wieder ab.
Banalitäten, die mit Peters eigentlicher Fragestellung nichts zu tun haben? Nur scheinbar.
Im Bereich der Kleinflugzeuge kann der FS derzeit schon - mit Einschränkungen - als Verfahrensübungsgerät herangezogen werden. Verfahren kann ich aber nur üben, wenn die benötigten Knöpfe und Schalter vorhanden sind (meine Freude über den Primer in der C-182RG des FS2000 ist z.B. übergroß). Kleinflugzeuge müssen also möglichst präzise instrumentiert sein und eher "nebensächliche" Schalter und Knöpfe erlangen, wie gezeigt, einfach durch ihre Funktionalität Bedeutung.
Wie aber würdet Ihr, liebe Freunde und Jetflieger reagieren, gäbe man Euch einen ganz neuen Simulator einer ganz neuen Firma in die Hand, der Euch sehr komplette Cockpits von Kleinflugzeugen, jedoch nur rudimentär instrumentierte Jet-Cockpits zur Verfügung stellt? Das Nasenrümpfen wäre vorprogrammiert.
Verständlich auch, denn jetzt hat man sich mühsam dazu aufgerafft, einmal "fliegen" zu lernen. Ist Jahrelang mit der Cessna die Platzrunde in Meighs geflogen, kann das Ding nun endlich starten und landen.
Nun macht man den "folgerichtigen" Sprung und setzt sich hinter das Steuer eines Lear einer 737, lernt mühsam, auch dieses Ding zu "beherrschen", sprich, nur noch jedes fünfte mal zu crashen. Und dann entdeckt man den Autopiloten und entwicklt sich zum "Profi".
Dann kommen die ersten Add-Ons und Adventures. Da staunt der Laie!
Und dann kommt das Internet. Eine neue Flusiwelt tut sich auf. Doch Peters Pilotentraining hat man noch immer nicht gefunden. So begnügt man sich einstweilen, mit dem, was man sich aus Readme-Dateien und ähnlichem zusammenreimt. Und merkt, in einem Jet muss es doch noch mehr geben... Gibt es ja auch. Und die Programmierer - die von Microsoft einmal ausgenommen - bauen es immer häufiger auch in ihre Panels ein (bis auf den verfluchten Tankwahlschalter.

)
Dann, endlich, findet man Peters Pilotentraining, stellt noch ein halbes Jahr "letzte" Fragen, kauft sich noch den PS1 und den AS2, lernt hier noch die kleinen Unterschiede kennen - und jetzt "kann man's"! Was eigentlich?
Der Grund, warum ich - wie eingangs erwähnt - die Kleinflugzeuge bevorzuge ist nicht der, daß mich große Jets nicht interessieren, ich kann sie nur nicht fliegen! Klar bringe ich sie runter und auch Streckenflug etc. ist kein Problem. Dank Anleitungen wie Peters Pilotentraining (dem ich übrigens noch so manches für mich neues Detail entnehmen konnte) die mir verschiedene Piloten die ich kenne, gaben, geht das schon. Aber - FlightXPress Leser wissen es - ich saß da kürzlich in einem FullMotion 747 Sim und da konnte ich (ich war nicht dran) vom Sitz des Navigation Officers (den gibt's in der 200er noch) beobachten, wie der Instructor, um den Vogel für den gerade "aktiven" Piloten in eine bessere Position für den Anflug zu bekommen, kurz das Kommando übernahm und die 747 per Hand in eine 45Grad-bank-Kurve nahm... und - der VSI bewegte sich nicht!!!!! Das schaffe ich in der Präzision, selbst bei schönem Wetter und wenn ich einen guten Tag habe, nur eher selten mit der Cessna (da gelegentlich allerdings auch in Wirklichkeit).
Das ist Fliegen. Das aber kann man mit dem FS einfach nicht erlernen. Auch nicht mit dem PS1 oder dem AS2. Und das wissen wir, wenn wir einmal ganz ehrlich zu uns sind, eigentlich alle - auch wenn wir's partout nicht wahr haben wollen und im Grunde unseres Herzens immer die Hoffnung hegen, daß wir wenigstens soviel lernen, daß wir im Falle eines Crew-Totalausfalles am Urlaubsflug zum vielgerühmten und weltweit gepriesenen, lebensrettenden Helden werden können.
Schmonzes. Never Ever!
Was aber können wir auf den diversen PC-Simulatoren dann erlernen?
Zuerst einmal hautnah, ganz realistisch und echt können wir die Erfahrung machen, daß man gegen Ende eines Zwölfstundenfluges müde ist und sich sehr konzentrieren muß, um die Landung nicht zu versauen

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Was wir noch lernen können - derzeit allerdings nur zum Teil - sind die diversen Verfahren. UND DAZU BRAUCHEN WIR DIE KNÖPFE, SCHALTER, HEBEL und möglichst alles Andere, was sonst noch in einem echten Cockpit zu finden ist, auch noch. Je mehr davon vorhanden ist, um so realer können wir noch eine weitere Erfahrung machen: Wir können uns in den Stress (abzüglich der Existenzangst) versetzen, in den Linienpiloten alle paar Monate bei ihren Checks am Simulator versetzt werden, wo sie, um ihren Job behalten zu können(!), Situationen meistern müssen, die sie in ihrer gesamtem Pilotenkarriere im im Regelfalle nicht erleben werden brauchen. Wir können erleben, wieviel plötzlich zu tun wäre, wenn den PNF kurz einmal der Schlag trifft. Wir können im FS98 kaum, im FS2000 schon besser im PS1 ziemlich umfangreich erfahren, was Systemausfälle bedeuten. Und irgendwann werden uns irgendwelche Panels für PC-Sims sicherlich auch die Möglichkeit zu Systemausfällen bieten, bei denen mehrere unterschiedliche Verfahren zur Behebung möglich sind oder bei denen man irgendein Bordcomputersystem "überlisten" muß. Wir erlernen jetzt schon Navigation und wir werden irgendwann auch Funksprechverkehr und sonstige Details - erst rudimentär, dann von Version zu Version verfeinert - erlernen können. Wenn wir wollen, haben wir also noch einen weiten Weg vor uns. Eine 747, 767, 737 oder welchen Airbus auch immer fliegen, werden wir aber auch dann mit PC-Simulatoren nicht wirklich erlernen können! Ja wir können damit nicht einmal so weit kommen, uns auf Anhieb in einem "echten" Simulator des jeweiligen Flugzeugtyps völlig zurechtzufinden. Denn es ist ein ganz gewaltiger Unterschied, ob die EPR-Anzeigen oder N1 im Blickfeld vor einem am Bildschirm Mitterechts, oder eine viertel Kopfdrehung und einen Meter und entfernt sind. Dieser räumliche und auch der Größenunterschied macht derart viel aus, daß man sich selbst in einem Cockpit, daß man am PC in- und auswendig kennt, nicht zurechtfindet. Ich weiß bis heute nicht, wo die in Hongkong das DME versteckt hatten, während ich "flog". Nachher war's plötzlich da....
Man darf die PC-Simulation also nicht überschätzen. Doch was macht das schon, daß wir damit nicht lernen werden, einen Jumbo oder ähnliches Gerät wirklich zu fliegen? Kaum einer von uns wird es sich je leisten können/wollen, ein Flugzeug dieser Art für ein, zwei Flugstunden zu mieten. Und, daß nicht irgendein "erfahrener" Simmer plötzlich - so mir nichts, dir nichts - die Umschulung zum Linienpiloten schaffen kann, beruhigt mich als Linienpassagier eigentlich eher...
Doch auch wenn wir das echte Pilotieren eines Jets mit dem PC nicht erlernen können, so bedeutet das nicht, daß die Simulation nicht real sein kann. Sie mag, von der Räumlichkeit nicht der Realität entsprechen, verschiedene Kräfte und Blickwinkel sind nicht und können am PC nicht real dargestellt werden. Und in vielen Bereichen ist die PC-Simulation einfach noch nicht so weit und bietet uns nur Ausschnitte des Spektrums.
Damit wir aber unser Spektrum der Fliegerei immer weiter erweitern können, brauchen wir immer detailliertere, kompliziertere, verfeinerte Cockpits. Doch keine Angst, wenn diese einmal so detailliert sind, daß ihr Handling durch eine Person so stressreich ist, daß man sich das einfach im Regelfall nicht antun will, dann wird es sicher auch Add-Ons geben, die den Co-Piloten simulieren, eventuell sogar mit der Option gelegentlicher menschlicher Fehler.
Ich breche also eine Lanze für die weitere Verfeinerung der Cockpits, denn ich sehe darin eigentich die einzige sinnvolle Möglichkeit, das Hobby PC-Flugsimulation weiterzuentwickeln. Und da Hobby ja immer eine freiwillige, gewollte, selbstgewählte und in angenehmen Umfang getätigte Beschäftigung, also - trotz Konzentrationsbedarfes - ein Vergnügen ist, brauchen Dir, lieber Peter, die SIM-Pilots Flying wirklich nicht leid zu tun, die machen das gerne!
Allerdings: Weder sollten Anfänger sofort mit hochkomplexen Simulationen/Cockpits loslegen, noch sollte man diese auf winzigen Bildschirmen betreiben.
Was ersteres betrifft, so kommt ein Anfänger am Flusi - mangels Wissen über die Existenz diverser Zusätze - ohnehin kaum in die Verlegenheit.
Was zweiteres betrifft: Leute, 19-, 20-, 21-Zöller machen Sinn!!!! Und - wie bei der Cessna - weiß ich auch hier wovon ich Schreibe! (Was das Preisargument anlangt: Wie viele neue Grafikkarten, Festplatten und PCs hat denn Dein Bildschirm schon überlebt - nein nicht Deiner, Du Neukäufer, Deiner

)
Auf einem 20"-Monitor aber lässt sich jedes noch so überladene und komplette Cockpit vernünftig darstellen (eventuell unter Einbeziehung "wegklappbarer" Overhead- und Sidepanels). Soferne der Programmierer etwas von Flugzeugen, Cockpits und deren Funktionsweise versteht und nicht nebensächliche Schalter, nur weil sie neu sind groß gestaltet und deutlich beschriftet, um dann für den HSI kaum mehr Platz zu haben.
Dann gilt allerdings auch hier wieder: Wissen und Können ist die wahre Macht. Ich muss wissen, was ich brauche und danach meine Panelwahl treffen. Und finden muß ich die Schalter schon auch und ihre Funktion kennen.
Und das Gerät beherrschen sollte ich auch. Denn dann spielt es überhaupt keine Rolle, ob ich den HSI auf 1Grad genau ablesen kann oder nicht. Beherrsche ich eine Maschine und fliege sie richtig, sind das Powersetting und die Anflugskonfiguration korrekt, dann steuere ich das letzt Grad (denn auf zwei Grad genau lese ich ein gut gemachtes Panel auf einem 19"-Monitor ab) über die Sinkrate...
Wenn all dies berücksichtigt und eingehalten wird, dann spricht eigentlich - meiner Meinung nach - nichts gegen den weiteren Ausbau von Panels.
So, das war's dann. Bin auf diverse Kommentare schon sehr gespannt.
Beste Grüße
Guido
[Diese Nachricht wurde von FXP am 01-03-2000 editiert.]
[Diese Nachricht wurde von FXP am 01-03-2000 editiert.]