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Alt 09.05.2003, 14:57   #72
FXP
Seht her, ich bin's!
 
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@ gaelic und alle die meinen, "auf ein paar Minuten käme es nicht an"

Durch "Schleicher" auf der dritten Spur, rücksichtslose Blockierer schnellerer Fahrzeuge und selbstgefällige "Erzieher" ihrer Umwelt verliere ich im Jahr sicherlich so meine 35 bis 38 Stunden. Dies ist ziemlich genau die Zeit einer Arbeitswoche.
Sieht man einmal vom wirtschaftlichen Schaden ab, so möchte genau diese Leute sehen, wenn jemand auf die Idee käme, ihnen vorzuschlagen, auf eine Woche Urlaub zu verzichten.

@ alle die von Rasern schreiben...

Ich fahre gerne schnell und stehe dazu.
Ich habe Erfahrung mit verschiedenen Autotypen.
Ich kann Euch aus Erfahrung sagen, dass man mit z.B. einem Twingo auf der Bundestrasse mit erlaubten 100Km/h eine weitaus grössere Gefahr darstellt (für sich und die anderen), als auf derselben Bundestrasse mit 130 in einem Benz, Volvo oder BMW.
Selbes gilt für Autobahnen mit höheren Geschwindigkeiten.

@ alle die meinen man solle nicht zu dicht auffahren.

Im Prinzip richtig. Doch was ist zu dicht?
Was stört mich auf der Autobahn ein Abstand von z.B. drei/vier Metern zum Vordermann, wenn ich durch seinen Wagen hindurch die Strasse vor ihm sehen kann, damit abschätzen kann, wann er bremsen wird müssen und selbst die besseren Bremsen habe und konzentriert fahre? Nach dem Vertrauensgrundsatz habe ich keinen Grund zur Annahme, dass der Vordermann ohne Grund bremst.

Mit einem Kleinwagen 25 Meter hinter einem vorschriftsmässig mit 130Km/h fahrenden z.B. BMW mit heraubgelassener, sichtbehindernder Heckfensterjalousie herzufahren ist verantwortungsloser - denn der bremst von 130 auf 0 in ca. 60m und da möchte ich sehen, wo der brave Kleinwagen dann landet...
Aber wen werden unsere "Helfer" mit ihren Abstandsmessgeräten wohl strafen?

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Das Problem ist doch, dass die meisten einfach nicht konzentriert fahren und dazu ihr Auto meist gar nicht richtig kennen. Soll heissen, nicht wissen, wann der Wagen wie auszubrechen droht, wie lange ihr Bremsweg wirklich ist und ähnliche Dinge.
Fährt man mit einem flotten Wagen in Deutschland und hat das Glück, sich an einen Bulk von zwei/drei "Schnellen" anhängen zu können, die so mit 200-230 dahinsausen, fängt einem als Ösi das Herz zu lachen an. Da weiss der erste ganz genau, was der letzte im Bulk macht und umgekehrt. Es wird Rücksicht genommen und es ist ein Vergnügen, das wesentlich ungefährlicher ist, als auf der Tangente zu fahren.

Das Problem ist, dass durch die jahrzehntelange Bevormundung viele von Euch einfach bevormundet werden wollen, sich wohl fühlen, wenn andere angeblich für sie denken, selbst möglichst keine Verantwortung übernehmen wollen, weil sie zu ängstlich sind, dieser nicht gerecht zu werden.

Das Problem ist, dass viele ihren Wagen wirklich nicht einmal im Ansatz kennen, geschweige denn beherrschen, was am besten beim Einparken beobachtet werden kann.
Auf die Frage "wie breit ist Dein Wagen" bekam ich schon Antworten bis zu "knapp 3 Meter" (!!!)

Das Problem ist, dass solche Leute autofahren dürfen und nicht belangt werden können.
Sie fahren ja soooo vernünftig...

Das Problem ist, dass die meisten "vernünftigen" Fahrer auf eine Jahreskilometerleistung von 4000 bis 5000 (davon das meiste in der Stadt oder ihrer näheren Umgebung) kommen.

Daher:
Wer langsam(er) fahren möchte, der tue es. Aber er möge bitte auch auf die, die schneller fahren wollen (und Strafmandate riskieren) genau die Rücksicht nehmen, die er von allen anderen Verkehrsteilnehmern auch einfordert.
Dann stünde selbst einer Aufhebung von Tempolimits nichts im Wege...

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Zum eigentlichen Thema:

Der Junge ist mit Freunden unterwegs.
Freund: "Komm, i lad di ein, trink was"
Freund später: "Heast, di nächste Runde geht oba auf Di"
Und so weiter. Plötzlich ist er betrunken.

Alkohol macht viele Menschen unvorsichtig.
Er steigt daher doch in den Wagen und fährt. (Nüchtern, hätte er es nicht getan)
Und schon sind die "Freunde" da. Adrenalinausstoss. Kurzfristiges realisieren, was jetzt kommt. Vater hat gesagt "sauf' ja net, wennst fahrst. I darschlog di, wenn's da den teuren Schein, den i grod zoat hob, wegnehma".
All das geht in dem, unter schweren Alkoholeinfluss stehenden, Hirn vor sich.
Der Junge rastet aus und steigt auf's Gas...

Er ist zu verurteilen, klar, aber ist diese Reaktion bei einem 17jährigen wirklich so unverständlich.
Man sollte vielleicht aufhören, derart jungen Menschen immer zu drohen...

Vor langer Zeit, in meiner Jugend, verbrachte ich viele Wochenenden am Land. Auch dort wurde betrunken gefahren. Doch da gab es den Dorfgendarm. Der half einem. Er fuhr vor dem Betrunkenen langsam her und geleitete ihn heim.
Er war allerdings stinksauer, wenn man derartigen Geleitschutz nicht in Anspruch nahm und dann auch noch betrunken schnell fuhr. Dann kam er ins Haus und hielt stundenlange Moralpredigten. Das fürchteten die Leute und fuhren langsam, wenn sie getrunken hatten. Es kam zu keinen Unfällen.

Der kleine Gendarmerieposten wurde dann gesperrt, die Zuständigkeit fiel an einen Posten der Autobahnpolizei. "Scharfe Hunde". Betrunken fahren - Führerschein weg.
Sechs Monate später gab's den ersten betrunkenen Schwerverletzten - er fuhr trotz entzogenen Führerscheines...

Und die Moral von der Geschicht?

Ich rede nicht davon, dass man betrunken fahren soll (wenn es auch hier Unterschiede gibt - ein betrunkener, vorsichtig fahrender Taxler ist mir immer noch lieber, als so mancher brave, verantwortungsbewusste Normalautofahrer...) ich meine nur, dass nicht alles, was für einige gut ist, zwangsläufig für alle gut sein muss.
Aber man sollte immer die konkrete Situation beurteilen und auch im schlimmsten Fall versuchen zu verstehen.

Hingegen sollte man sich vor nach Todesstrafe rufenden, verantwortungsvollen Erziehern ihrer Umwelt, die jede Art der Berauschung am liebsten generell verboten sähen, äusserst in acht nehmen!

In diesem Sinne...
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Guido
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