Hallo Joachim,
ich kann Dir hier nur beipflichten. Auch wenn in Regionen mit dichtem IFR-Verkehr wie Europa oder den USA nur noch selten mit NDB navigiert wird (in Europa ist inzwischen sogar RNAV für IFR in großen Höhen vorgeschrieben!), gibt es immer noch weite Gebiete, in den die hauptsächliche Navigation über NDB erfolgt. Exemplarisch seinen hier nur die Karibik (siehe z.B. Jeppesen Chart LA(H/L) 7/8) oder die Luftstraßen zwischen Europa und Ostasien über Sibirien (Jeppesen Chart EA(H/L) 9/1) genannt.
Für deine Vorstellung, daß eine Kreuzpeilung mit Hilfe von zwei NDBs erfolgen kann, gibt es in der Karibik auf der Luftstraße A555 von Nassau/Bahamas über Stella Maris (ZLS, 526 kHZ) nach Grand Turk (Island) (GT, 232 kHz) ein schönes Beispiel. 55 NM südöstlich von ZLS liegt der Pflichmeldepunkt (compulsory reporting point) INDEE (N23 08.4 W074 23.4). Er ist definiert als auf der A555 (ZLS outbound 124°) liegend, mit einem QDM von 167° auf GREAT INAGUA NDB (ZIN, 376 kHz). Das heißt, sobald die Anzeige für ZIN auf dem RMI auf 167° oder 43° relativ zur Flugrichtung (Wind sei mal vernachlässigt) liegt, ist es an der Zeit, den Überflug von INDEE über Funk zu melden. Ähnliches findet man 124 NM weiter auf der gleichen Luftstraße. Dort befindet sich (in der Nähe von Providenciales) die Intersection MICAS, diesmal mit QDM 230° ZIN definiert.
Das Beispiel habe ich aus einem recht lesenwerten Buch, "Moderne Flug-Navigation", von Donald J. Clausing. Meine Ausgabe von 1988 ist nicht mehr ganz zeitgemäß, aber es sollte inzwischen eine 2. Auflage geben. Anyhow, jedenfalls wird dort schön erklärt, daß man auf seinem ersten ADF das ZLS reingedreht hat, um den Track der Luftstraße einzuhalten. Auf dem zweiten ADF kann man nun ZIN wählen und damit den Flugfortschritt auf der A555 recht gut verfolgen.
Weiterhin zeigt das Beispiel, daß diejenigen Piloten, die routinemäßig NDB im Instrumentenflug verwenden, sehr dringend zwei ADF-Empfänger brauchen!
Übrigens, meines Wissens zufolge beträgt die Genauigkeit, oder ich sollte besser sagen die Abweichung beim NDB bis zu 5°. (Und da sind Kompassfehler noch gar nicht mit eingerechnet!) Wenn Du Dir jetzt mal überlegt, welche Fehler Du damit auf der Intersection INDEE hast...rate mal, wie groß das Gebiet ist, in dem Du Dich aufhalten kannst. Ich habe es mal grob überschlagen und komme auf ungefähr 700 (siebenhundert) Quadratkilometer! Ich denke, diese Zahl muß man sich immer vor Augen halten, wenn man mit NDB navigiert. Es kann viel Spaß machen und ist nicht immer ganz einfach, aber wenn man sich bei längeren Überwasserflügen in kleinen Maschinen ausschließlich auf NDB verlässt, dann sollte man sich der Genauigkeit bewußt sein.
Schöne Grüße,
Markus
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