Hallo, Piloten,
na dann laßt uns noch etwas fachsimpeln und die Sache mit der Runwaylänge etwas vertiefen. Ich bin nämlich angenehm überrascht über Eure berechtigten und weitergehenden Fragen, die ich anfänglich zur Abkürzung dieses Themas nicht vollständig erläutert habe. Also Grundsätzlich bestätigen natürlich immer einige Ausnahmen eine Regel...
Zunächst kurz zu Madeira, also dem berühmt berüchtigten Airport FUNCHAL, dessen Landeprozedur stark an den alten Airport in Hong Kong erinnert, nämlich Sichtanflug und Landung nur durch den PIC mit "special licence".
Die Runway in Funchal hat in der Tat eine Länge von 5085 Fuß (1550m) und erhält zur Zeit übrigens eine aufgeständerte, über dem Meer hinausgehenden Safety-Overrun, also eine Runwayverlängerung beidseitig um insgesamt ca. 1200m.
Um dort (bzw. auf allen kurzen Runways) starten oder landen zu können, gibt es individuelle Vorschriften, die sich insbesondere mit dem Start befassen. Entscheidend ist grundsätzlich das aktuelle Startgewicht eines Flugzeuges (TOW actuell take off weight), sowie die mögliche Performance. Die z.Zt dazu geltenden ICAO Regeln sind da simple: ein Flugzeug muß V1 erreichen und innerhalb der dann noch verbleibenden Runwaylänge, einschl. Overrun/Extension (Notbremsstrecke) sicher wieder - beim evtl. Startabbruch - zum kompletten Stillstand gebracht werden.
In der Regel werden der Maschine etwa 2/3 der Runwaylänge für den Startlauf zugestanden. Schafft ein Flugzeug diese Werte, darf es dort - natürlich - starten (und landen). Also muß die Crew anhand der bekannten Leistungsdaten die dazu erlaubte oder mögliche Beladung errechnen und limitieren
und einen "static start" machen. Dieser bedeutet -etwas vereinfacht- ausnutzen des letzten Meters Runwaylänge am Startpunkt, hochlaufen der Turbinen bis max. Leistung und angezogener Parkbremse, und dann der "Katapultstart" mit maximal möglicher Beschleunigung.
Dadurch verkürzt sich der Startlauf um entscheidende Meter, die dann letztendlich dazu führen, dass die Maschine die Vorschriften erfüllt.
Ihr könnt das auch im FS98 extrem simulieren, z.B. einen Start auf der Runway 24 in Dortmund Wickede, wo ihr zumTest mit der 737 startet. Einmal mit vollen Tanks und zur Alternative mit nur 3 To Fuel. Und siehe da, plötzlich geht es....
Bei der Landung ist es ähnlich: ein sehr kurzer flair off und aufsetzen direkt nach der Schwelle, um ja keinen Meter "Bremsstrecke" zu verschenken.
Die Startprozedur mit dem Static Start könnt Ihr z.B. sehr oft beobachten in Düsseldorf, RW 23 R, wo es ein "temporary extension" gibt, auf dem sehr schwere Maschinen bis zum letzten Meter gegen die Startrichtung rollen, und dort einen 180° turn machen. So zum Beispiel auch die LTU B767-300ER, die nach LAX fliegen. Sie erreichen nämlich mit voller Tanks und voller Payload das absolute Limit für Düsseldorf. Fracht kann man da so gut wie nix mehr mitnehmen, sonst würde die 2/3 Regel der notwendigen Beschleuningsstrecke nicht eingehalten. Vielen von Euch ist bestimmt dort auch noch die damalige Lockhead Tristar in guter Erinnerung, die ohne diese Hilfsrollstrecke keine Langstrecken abb Düsseldorf unternehmen (nicht unternehmen dürfte...)
Die Runway hat nämlich ein Länge von 2700m, die 767 braucht bis V1 in dieser Lastklasse etwa 1700m zum Beschleunigungsweg, rein rechnerisch müßte sie nach 1780m spätestens V1 erreicht haben... Paßt also, aber knapp....
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