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Alt 22.11.2002, 12:27   #11
Krazy Kraut
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Zitat:
Original geschrieben von rp_ki
Sagen wir z.B. ich habe FL330 zugewiesen bekommen, ich erreiche und befinde mich auf 33000ft und denke alles i.O. und dann quaken mich die Jungs und Mädels trotzdem an.
Achtung, FL330 ist nicht gleich 33.000 Fuß! Wenn dem so wäre, könnte man sich ja gleich die ganze Sache mit Flightleveln sparen und alles von Anfang an in Fuß (oder von mir aus auch Metern) messen.
Jetzt wirst du sagen "ja, aber wenn ich in FL330 fliege, dann zeigt mir mein Höhenmesser 33.000 Fuß an". Das ist auch durchaus korrekt, allerdings kannst du dann, vorausgesetzt die Einstellungen am Höhenmesser stimmen, für einen Beobachter am Boden in einer Höhe von 32.500 oder 34.800 Fuß oder was auch immer befinden, je nach örtlichem Luftdruck. Dann schnautzt dich der am Boden befindliche Beobachter (in diesem Fall also die MS-ATC) an, weil du dich anscheinend nicht auf der korrekten Flughöhe befindest.

In der Luftfahrt wird das folgendermaßen gemacht: Je nach Luftdruck gibt es eine sogenannte Transition Altitude und einen sogenannten Transition Level. Diese werden je nach Luftdruck festgelegt, für Deutschland sind dies in dreiviertel aller Fälle TA6000ft und TL70. Manchmal werden diese Höhen aber auch fest vorgeschrieben, für EDDL (Düsseldorf) ist z.B. die Transition Altitude 5000ft, es sei denn der Lotse sagt etwas anderes. In den USA wiederum ist der Transition Level immer auf FL180.
Was genau sind nun diese ganzen Levels und Altitudes? Nun, wenn man am Boden steht, so muß man den örtlich vorherrschenden Luftdruck beachten, da über selbigen die Höhe bestimmt wird. Diesen Luftdruck muß man jetzt am Höhenmesser einstellen, um diesen zu kalibrieren. In Europa wird der Luftdruck in hPa gemessen, und der Standardluftdruck ist 1013,2hPa. In den USA sowie in vielen anderen Ländern wird der Luftdruck in inHg gemessen, Standard ist hier 29,92inHg.
Wenn man jetzt also wie gesagt am Boden steht, muß man erstmal den örtlichen Luftdruck einstellen, damit man vom Höhenmesser überhaupt eine verlässliche Aussage erhält. Den Luftdruck bekommt man, neben diversen anderen Werten, in der ATIS mitgeteilt. Ehrlich gesagt weiß ich jetzt gar nicht mehr, in welcher Form das MS-ATC den Luftdruck mitteilt, da ich seit einiger Zeit nur noch online fliege, aber es müsste irgendwas in der Form "QNH2992" oder "Altimeter 2992" sein oder so. Diese Zahl stellt man jetzt mittels des kleinen Rädchens am rechten unteren Rand des Höhenmessers ein. Wenn man bequem ist, kann man auch einfach nur "B" drücken, und das ganze wird automatisch erledigt.

Da dieses Prozedre aber während des Fluges ein wenig mühselig wäre - man käme vor lauter justieren des Höhenmessers gar nicht mehr zum Fliegen - hat man sich auf sogenannte Transition Altitudes bzw. Transition Levels geeinigt. Beim überqueren dieser Höhen wird der Höhenmesser vom örtlichen Luftdruck auf den Standardluftdruck gestellt, bzw. umgekehrt. Der Standardluftdruck stimmt dann zwar nicht mit dem wirklich vorherrschendem Druck überein, aber da alle Maschinen die gleiche "falsche" Einstellung haben, fliegen sie zueinander gesehen wieder alle gleich.

Kleines Beispiel aus der (Online-)Praxis, wie dieses gehandhabt wird (vielleicht wird es so nochmal ein wenig deutlicher, wie es genau funktioniert): Angenommen, ich sitze in Düsseldorf in meinem guten alten Airbus und will nach München fliegen. Mein Höhenmesser ist auf 1013hPa eingestellt, der Standardwert also. Wenn ich jetzt den Groundcontroller von Düsseldorf kontaktiere, so bekomme ich seine ATIS, in welcher ich unter anderem folgendes lese: "Initial Climb 5000ft. TA6000ft, TL70. QNH1008"
Das "QNH1008" sagt mir, daß ich meinen Höhenmesser auf 1008hPa einstellen muß, um die korrekte Höhe angezeigt zu bekommen. Außerdem wird mir gesagt, daß ich nach dem Start erstmal auf gar keinen Fall höher als 5000Fuß klettern darf, bis ich anderslautende Anweisungen vom Controller bekommen habe (um den anfliegenden Verkehr nicht zu gefährden) und daß die Transition Altitude bei 6000 Fuß liegt. Der Transition Level liegt bei FL70, aber da ich starte, interessiert mich dieser Transition Level momentan erstmal nicht, sondern nur die Transition Altitude.
Nach dem Start mit Höhenmessereinstellung 1008 steige ich also bis auf maximal 5000 Fuß und werde kurz nach dem Start vom Tower zum Approach weitergereicht. Approach gibt mir die weitere vorläufige Freigabe bis auf FL160 oder so, und ich beginne weiter zu steigen. Wenn ich jetzt die Transition Altitude von 6000 Fuß überschreite, so stelle ich den Wert an meinem Höhenmesser von den ursprünglichen 1008 wieder zurück auf den Standardwert von 1013, und behalte ihn da bis ich auf meinem final FL angekommen bin.
Approach übergibt mich an Düsseldorf Radar, der übergibt mich an Frankfurt Radar, der wiederum an München Radar, und der dann irgendwann an München Approach. Im ATIS von München Approach kann ich nun lesen, daß die Transition Altitude für München bei 7000 Fuß und der Transition Level bei FL80 liegt und der örtliche Luftdruck z.B. 976hPa beträgt. Wenn ich jetzt also z.B. auf FL120 unterwegs bin und Approach mich auf 5000 Fuß runterschickt, so muß ich den Wert am Höhenmesser wieder vom Standardwert 1013 auf den aktuell vorherrschenden Wert ändern, also in diesem Falle 0976. Bei der ersten Höhenangabe, die unter dem Transitionlevel liegt, sagt der Controller deshalb zur Sicherheit immer nochmal den aktuellen Luftdruck mit an (jedenfalls online, weiß nicht ob es das MS-ATC auch macht. Sollte es aber...): "Lufthansa 1234, descend FL120 to 5000 feet on QNH976", und der Pilot muß den Luftdruck zurücklesen: "Leaving FL120 for 5000ft on QNH976, Lufthansa 1234".


Fortsetzung folgt...
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Gruß, Andre Koch
GAL2105 und SAG1
Director VACC-SAG
http://vacc-sag.org
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