Hi Alex,
> Zur Abwechslung geht's heute nicht um den Anflug auf LOWI
> sondern um den Abflug.
Ich möchte der sicher kompetenteren Antwort von Leo nicht vorweggreife...

... aber ich versuche mal wiederzugeben, wie ich das Problem sehen.
> Soweit so gut. Nur, wie geht es jetzt weiter? Vor allem, wenn ich
> z.B. nach Osten weiter fliegen möchte. Nach RASTA oder OBEDI oder
> auch nach Salzburg. Muss ich dann einen Kringel in meine schöne
> Flugbahn machen

oder darf ich RTT links liegen lassen und gleich
> weiter fliegen?
Halten wir uns zunächst mal an den Fall ohne den freundlichen Radarlotsen, der uns bei 9500' auf dem Radar hat und direkt nach Salzburg schickt.
Das Abflugverfahren hat ja vor allem den Zweck, daß es unter anderem auch ein Hindernisfreiheit garantiert. So wie ich es verstehe, kann das die "Initial Departure Procdure", so wie oben von dir beschrieben, nicht nach ICAO-Standards garantieren. Deswegen ist diese Verfahren zunächst mal ein Spezialverfahren für Innsbruck, welches uns sicher nach Rattenberg bringen soll. Dort beginnt dann der SID.
Hindernisfreiheit ist garantiert, wenn du die auf der Karte angegebenen Mindeststeigleistungen von 292'/NM bis 6700' (bei D7 OEJ) und dann mit 146'/NM bis 9500' erbringst. Die Sache hat aber den Haken, daß man dann die 9500' erst etwa 10NM hinter Rattenberg/RTT (von LOWI aus gesehen) erreicht. Wohlgemerkt, mit der Mindeststeigrate, mit einem Jet erreicht man 9500' deutlich früher.
Nach der "Initial Departure Procedure" bin ich also zunächst einmal sicher auf eine Höhe von 9500' aufgestiegen. Das ist die Minimum Holding Altitude von RTT, der Warteraum von RTT ist also garantiert hindernisfrei.
Du hast sicher auch den Chart 10-3B mit den SIDs von LOWI in Richtung z.B. SBG, KOGOL, RASTA etc. Im Prinzip, sagt Radio Eriwan, könntest du natürlich gleich nach dem Erreichen von 9500' in Richtung Salzburg drehen, aber in der Praxis würde ich es dann doch nicht tun.
Die Sache ist die: eine Luftstraße garantiert Hindernisfreiheit in einem Korridor von +/- 4.5° um die verwendeten Radial herum, maximal aber 4 NM links und rechts von der Luftstraße. (Könnte sein, daß es mit RNAV etwas weniger ist, meine Zahl ist nicht aktuell.) Wenn du also mit einem langsam steigenden Flieger 10NM hinter RTT die Höhe von 9500' erreichst, und dann nach SBG drehst, bist du
außerhalb des SIDs und hast damit nicht mehr die für das Verfahren garantierte Hindernisfreiheit.
Weiterhin mußt du die Minimum Enroute Altitudes der SIDs betrachten. Wenn du den RASTA-SID fliegen willst, dann ist die Minimum Altitude
12.000 Fuß. Bei bzw. 10 NM RTT bist du aber erst auf 9500'. Das heißt also, daß du bei erreichen von 9500' noch gar nicht in Richtung RASTA fliegen darfst, du mußt (vereinfacht gesagt) erst die 12.000' Höhe erreichen.
Genau dafür ist das Holding von RTT da. Du mußt vor dem Abfliegen des SID noch die erforderliche Minimum-Höhe erreichen. Wenn du die bei RTT noch nicht erreicht hast, mußt du ins Holding. Und du must auch zunächst Richtung RTT zurück, wenn du 9500' erst 10nm hinter RTT erreicht hast und nach Salzburg will (MEA: 9500'), damit du innerhalb des SID-Koordidors bleibst.
Genau genommen steht da zwischen den Zeilen geschrieben:
"At 9500' turn left to RTT to join the RTT Holding Pattern. Upon reaching the (SID/Airway) Minimum Altitude, leave the RTT Holding Pattern to join the SID or the cleared ATS route."
Wie gesagt, so sollte es ablaufen, wenn du ohne Radar-Lotse fliegst, oder wenn kurz nach dem Start z.B. dein Funkgerät ausfällt.
Ich hoffe, ich habe das alles richtig interpretiert und ausreichend gut erklärt.
Viele Grüße,
Markus