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Alt 21.08.2002, 14:49   #5
MarkusV
Elite
 
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Alter: 51
Beiträge: 1.264


Standard Re: ...meinst du ...

Hi Marco,

vielleicht kann ich dazu beitragen, ein paar Sachen aufzuklären und grundlegende Sachen zu erklären.

Das wichtigste Prinzip beim Autopiloten allgemein und VNAV im speziellen ist: er wechselt niemals von alleine, also ohne zutun des Piloten die Höhe.

Im Gegensatz zu lateralen Navigation (z.B. LNAV) muß die geflogenene Höhe immer mit der Höhe im MCP des Fliegers übereinstimmen bzw. im MCP die Höhe reingedreht werden, auf die gewechselt werden soll beim Steig- oder Sinkflug.
Das hat damit zu tun, daß Flugzeuge insbesonders auch vertikal gestaffelt werden. Ein Flugzeug fliegt damit immer nur auf der Höhe, für die es die Flugsicherung freigibt. Man kann ein Flugzeug in lateraler Richtung nicht anhalten, am in vertikaler Richtung kann ein Flieger sehr wohl seine Höhe halten.

Insofern hat in allen Situationen das MCP immer Vorrang gegenüber anderen Quellen.


Ein weiterer "Vielleicht-Irrtum"... die Höhen, die der FMC für das vertikale Profil errechnet, sind keine verpflichtende Höhen. Im Gegenteil, der FMC versucht, eine ökonomisch möglichst effizientes Flugprofil (vertikal) zu errechnen. Das muß aber nicht mit den Anforderungen an Sicherheit und Flugsicherung übereinstimmen. Alle diese Berechnungen werden in der FMC LEGS Seite in kleinen Buchstaben dargestellt.
Weiterhin gibt es noch Höhenbeschränkungen (!), die in großen Buchstaben dargestellt werden. Diese Restriktionen werden vom FMC im vertikalen Profil berücksichtigt und auch so eingehalten, wenn man mit VNAV fliegt.
Es gilt zu beachten, daß ausschließlich Restriktionen in großen Buchstaben zu sehen sind. Außerdem müssen die Höhen des vertikalen Profils niemals selbst eingegeben werden, der FMC errechnet sie sich selbst. Restriktionen sind in der Regel in der SID/STAR-Datenbank gespeichert, können aber, wenn ATC ein bestimmte Einschränkung ausspricht, auch von Hand eingegeben werden.

Wenn du nun mit VNAV z.B. steigst, dann steigt die 737 immer nur bis zu der eingestellten MCP-Höhe. Das ist so, denn vorher hat man die ATC-Freigabe (bzgl. Höhe) im MCP eingestellt. D.h. also, daß VNAV genau bis auf freigegebene Höhe klettert - und nicht darüber. Erst wenn eine neue Freigabe von der Flugsicherung erhalten und am MCP eingestellt wird, dann steigt VNAV weiter!
Wie sieht es nun aus, wenn es eine Höhenbeschränkung gibt? Nehmen wir an, wir sind von London-Heathrow Richtung Dover abgeflogen, dort gibt es eine Höhenbeschränkung von 6000 Fuß. Die ATC Freigabe lautet "Climb and Maintain 9000 feet". Dann steigt VNAV auf 6000 - um die Restriktion einzuhalten - und sobald es DVR (Dover VOR) überflogen hat, steigt VNAV automatisch weiter auf 9000. Im MCP waren dabei die ganze Zeit 9000 Fuß eingestellt - die ATC Höhenfreigabe. VNAV steigt also bis zur nächsten Restrition oder zur eingestellten MCP-Höhe, je nachdem welche von beiden niedriger ist.
Beim Sinkflug ist es genau umgekehrt.

Jetzt alles klar?

Gruß,

Markus
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