Eine sehr interessante Diskussion und klasse Beiträge!
Der MSFS ist einfach keine ernste Simulation, sondern ein Spiel in Millionenauflage.
Dieser Aussage kann ich mich nur bedingt anschließen. Für mich ist er einfach eine Simulation (wie man ernst definiert, sei dahingestellt). Unter einem Spiel verstehe ich eine Sache, bei der ich einige oder mehrer Regeln verinnerliche. Mit diesen immer gleichen Regeln kann ich dann ein Spiel beliebig oft zur Unterhaltung und zum Zeitvertreib spielen.
Im Gegensatz dazu steht bei einer Simulation das Eintauchen in eine andere reale Welt (Luftfahrt, Motorsport, Eisenbahn, etc.). Im Vordergrund steht hier das Erleben und Erlernen dieser neuen Welt. Und selbst, wenn ich das Handbuch des Flusis auswendig gelernt hätte, würde der Umgang mit dem Flusi immer wieder neue Fragen aufwerfen, die mich interessieren. Für die einen ist es eine Erweiterung des Horizonts abseits ihrer sonstigen Tätigkeit, für mich eine angenehme Abwechslung zur grauen Theorie des Studiums und für sicherlich viele von uns auch eine kleine Erfüllung eines in Deutschland nur schwer bezahlbaren Wunsches nach realer Fliegerei.
Sicher holen sich auch viele Spieler den FS2002. Die werden ihn eigentlich schon zu kompliziert finden, die Regler für den Realitätsgrad vielleicht gar nicht erst finden und den Flusi nach zwei Wochen als langweilig zu den Akten legen.
Da wo der Spieler scheitert, wird es für den Simultionsfan erst interessant. Er ist fansziniert von den vielfältigen Möglichkeiten, entdeckt Mängel in der Abbildung des realen Vorbildes und versucht diese Lücken zu schließen. Und da stehen wir sicherlich, die wir uns hier im Forum austauschen und einen Flugsimulator wie des MSFS ohne Realitätsgrad steigernde Add-Ons unbrauchbar finden.
Jedenfalls würde ich es nicht als Spielen bezeichnen, wenn ich 45 Minuten zur Flugvorbereitung brauche (Route planen, Wetter laden und analysieren, Gewicht kalkulieren, Treibstoff berechnen, FMS programmieren)und dann 2.5 Stunden mit einem komplizierten Flugzeug wie der DF B734 durch die Luft gondel, um von A nach B zu fliegen. Bei einem Spiel hätte ich nach 15-20 Minuten die Schnauze voll. Da muß schon mehr dahinter stecken.
Es werden halt nur die für den Flug wichtigen Systeme dargestellt, (also keine Elektrik, Hydraulik, Air Condition...)
Bei der Klimaanlage gebe ich Dir noch bedingt recht, wobei es bei 50° Minus auch schon reichlich unangenehm wird. Elektrik und Hydraulik gehören mit zu den für den Flug wichtigsten Systemen und gehören deshalb meiner Meinung nach auch mit simuliert.
Dies bestätigt auch wiederum meine Aussage, was das Lernen betrifft. Fliegerei hat viele Aspekte und manche entdeckt man erst nach und nach. Und da ist es vielleicht auch ganz gut, daß es verschiedene Simulationen mit unterschiedlichen Schwerpunkten gibt, denn in einer kann dies im Rahmen ihrer finaziellen Möglichkeiten gar nicht realisiert werden.
Der Grad des Realismus ergibt sich irgendwo aus allem, was in den bisherigen Beiträgen erwäht wurde. Und damit würde ich uns nicht als ahnungslose Spieler und Träumer unterschätzen, aber auch nicht als quasi Piloten und Luftfahrtexperten überschätzen.
Happy flyin'
Simeon
PS: Der FS2002 ist ein großer Schritt nach vorn. Ein Überflieger war er nur für die, die's behauptet und für die, die's geglaubt haben.
|