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Inventar
Registriert seit: 03.09.2000
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Da bin ich aber komplett anderer Meinung. Weil schön langsam geht es mir schon ziemlich auf die Nerven, dass man immer nur den sprichwörtlich 'Kleinen Mann' für Alles verantwortlich machen möchte.
Ich, jedenfalls, habe noch nie jemanden danach schreien gehört, die Preise zu senken (ausgenommen beim Sprit für den fahrbaren Untersatz). Im Gegenteil: sogar an der Tankstelle wird gekauft, was das Zeug hält, egal was der Saft der Begierde kostet.
Natürlich kauft man dort, wo das selbe Produkt weniger kostet - man wäre doch bescheuert, wenn man für das gleiche Produkt absichtlich mehr bezahlt als irgendein anderer Händler dafür verlangt. Aber kann man daraus ableiten, dass 'der Kunde' nach günstigeren Preisen schreit?
Also, ich denke nicht, dass dem so ist. Ich denke, dass der Grund, warum die Preise derzeit so sind, wie sie sind, ein ganz anderer ist. Die Industrialisierung - und davor hat auch die Landwirtschaft nicht halt gemacht - hat es nun mal mit sich gebracht, dass billiger produziert werden konnte. Die Frage ist. Warum zum Kuckuck hat man denn billiger produzieren wollen? Bis dato hat man denen die Produkte auch abgekauft, wo sie wesentlich teurer waren? Was hat also den Produzenten dazu bewogen, zu rationalisieren? Richtig: Der vermehrte Profit. Aber mit dem vermehrten Profit war es auch möglich, die produzierte Menge zu erhöhen. Und das führt wiederum dazu, dass das Angebot steigt. Und das hat man doch schon in der Grundschule gelernt und braucht kein mehrjähriges Universitätsstudium, um zu erkennen: Ein Überangebot führt dazu, dass die Preise sinken. Sinken die Preise und will man gleichzeitig den Profit erhöhen (!!!!!), dann ... ja, dann beginnt sich das Karussell eben zu drehen. Es muss weiter rationalisiert werden, was dazu führt, dass noch mehr produziert werden kann, wodurch das Angebot noch weiter steigt und die Preise noch weiter sinken.
Und so war bzw ist es in allen Geschäftsmodellen, die wir kennen: Der Greisler war nicht mehr 'modern', man musste Supermärkte schaffen. Die Kunden sollten sich nicht mehr bedienen lassen (ist ja teuer), sie sollen halt selber aktiv werden und sich die Waren selbst aus den Regalen holen. Auch dort wurde demnach rationalisiert. Und zu welchem Zweck? Richtig: Um günstiger zu sein als der Mitbewerb. Aber der Mitbewerb hat mitgezogen und hat noch mehr rationalisiert, wodurch das Zeug noch billiger verkauft werden konnte. Worauf man eben noch mehr rationalisieren musste (wo die Kassierinnen früher die Preise selbst in die Kassa getippt haben, reicht heute ein Laserscanner, das beschleunigt den Vorgang und die Kassierin kann in gleicher Zeit mehr Kunden bedienen (oder eben weniger Kassierinnen schaffen die selbe Menge an Kunden)). Wie man sieht: auch im Handel hat sich eine Spirale nach unten gedreht. Irgendwann wurden die Diskonter geschaffen, da war es dann nicht mal mehr notwendig, die Ware in Regalen einzuschlichten. Noch mehr rationalisiert.
Und die Bauern hatten sich zudem doppelt blöd angestellt - nämlich, indem sie sich zu Genossenschaften zusammen geschlossen haben. Die hatten ja seinerzeit die Aufgabe, die Interessen der Bauern wahr zu nehmen. Und was ist daraus geworden? Genau: Ein Konstrukt, welche die Bauern wie noch nie ausnehmen. Die eben dem Druck des Handels nicht stand halten. Und die jetzt ihrerseits den Druck an die Bauern weitergeben.
Aber wieso, bitte, soll ich jetzt an der Misere schuld sein?
Wer glaubt, dass die Bauern auch nur einen Cent mehr bekommen, würden wir bereit sein, mehr für die Ware zu bezahlen, der glaubt wohl auch noch ans Christkind. Diesen Profit würden sich die Händler und die Genossenschaften untereinander aufteilen, aber keinesfalls dem Bauern zukommen lassen. Soll sich für die Bauern etwas ändern, müssen sie danach trachten, dass eben dieses unsägliche Konstrukt der Genossenschaften abgeschafft bzw durch etwas Neues ersetzt wird.
So sehe ich das!
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