Ja Daniel, es ist schon ärgerlich, was an deutschen Gerichten so abgeht.
Als ich mal in Nordwestdeutschland gewohnt habe, hatte ich mir ein Knöllchen eingefangen, wegen Parkens. Das ich dort parkte, wollte ich ja gar nicht bestreiten. Allerdings hat man mir noch Verkehrsbehinderung vorgeworfen - vor einer Sackgasse, die auch noch für Pkw und Lkw gesperrt war. Außerdem stad ich wirklich nicht verkehrsbehindernd. Also Widerspruch eingelegt, und es kam dann auch sehr zügig zur Verhandlung.
Als Zeuge war eine Politesse geladen, sogar die, die das Knöllchen ausgestellt hatte. Als Beweis wurde ein Foto vorgelegt, die ein verkehrsbehindernd geparktes Auto zeigte. Das diese icht am fraglichen Tage aufgenommen war und auch nicht mein Auto zeigte war dem Richter egal, die Politesse meinte, ich hätte da so gestanden. Auch gut, nach 10 Minuten war ich verurteilt.
Einige Stunden und mehrere Whisky später hab ich dann eingesehen, was passiert war.
Der Richter hat's im Jahr mit sicherlich einigen hundert solcher Fälle zu tun gehabt, ud deshalb jede vorkommende Einlassung des Deliquenten schon mal gehört. Und meistens waren die alle falsch. Er weiß also in seinem Unterbewusstsein, das Einlassungen des Beschuldigten einen Haufen Arbeit machen und Zeit kosten, aber letztendlich nichts dabei rumkommt. Dan hat er für die Verhandlung 15 Minuten Zeit angesetzt, ich bin ja nicht der einzige Falschparker. Von diesen 15 Minuten gehen noch 3 für die Begrüßung und 7 Minuten für Verkünden des Urteils, Urteilsbegründung und Niederschrift derselben drauf. Bleiben fünf Minuten für die Wahrheitsfindung. Und dann kommt einer, der Einwände hat. Wenn er mir glaubt, muss er neue Zeugen hinzuziehen und eventuell eine Ortsbegehung machen. Auf jeden Fall muss er vertagen, und dann reichen 15 Minuten nicht mehr aus. Bringt seinen ganzen Zeitplan durcheinander. Wenn er mir Recht gibt, dann geht die Stadt auf jeden Fall in Berufung. Bedeutet noch mehr Ärger und Schreibkram. Also ist er stinkig, wenn jemand Einwände erhebt. (Da er Münsterländer war, konnte er das auch schlecht verbergen). Außerdem spielt er einmal im Monat mit dem Stadtdirektor Golf (ich habe mich leider erst nach der Verhandlung im Golfclub angemeldet

). Fazit: alles was die Prozessökonomie stört, wird weggebombt.
Was lernt uns das? Da sitzen auch nur Menschen rum, mit ihren Schwächen und Eigenheiten.
Gruß R.