Einzelnen Beitrag anzeigen
Alt 24.08.2007, 18:33   #476
Alex1
Alter Sack
 
Benutzerbild von Alex1
 
Registriert seit: 19.09.1999
Ort: An der schönen alten Donau
Alter: 53
Beiträge: 1.579

Mein Computer

Standard

LoM, du musst auch zwischen den Zeilen lesen.
Zitat:
Original geschrieben von The_Lord_of_Midnight
http://teletext.orf.at/100/101_0001.htm
Beamte: Bures will Einsparungen
Ministerin Bures (Spö) plant im öffentlichen Dienst weitere Einsparungen beim Personal.
Zudem will sie das Zulagen-System vereinfachen, eine Personalagentur gründen, die Beamte dorthin vermittelt, wo sie gebraucht werden, und ein neues Dienstrecht schaffen, in dem Jüngere besser verdienen und Pragmatisierungen die Ausnahme sind.
Fix ist laut Bures, dass 2008/2009 nur noch jeder zweite pensionierte Beamte nachbesetzt wird.
Ich übersetze das einmal ... "Zulagensystem vereinfachen" heisst höchstwahrscheinlich "Zulagen streichen". Ob solche Massnahmen motivierend wirken, wage ich zu bezweifeln.

"eine Personalagentur gründen": in vielen Bereichen des öffentlichen Diensts gibt es das bereits jetzt schon (auch in meinem). In der Praxis sind diese "Personalagenturen" Auffangbecken für Beamte, denen der Arbeitsplatz weggenommen wurde. Diese "entsorgten" Menschen sitzen in diesen Agenturen und warten darauf, dass sie tageweise für bestimmte, immer andere Tätigkeiten eingeteilt werden. Sollte gerade nichts zu tun sein, sind sie untätig, und werden dennoch bezahlt. Ist das in deinem Sinne kostensparend? Und ist es wiederum motivierend für den Arbeitnehmer, wenn er nicht weiss, was morgen sein wird? Darf er beim Billa Regale einschlichten (ist schon dagewesen, kein Scherz!), oder andere ähnlich anspruchsvolle Arbeiten erledigen? Für großartige Einschulungen ist da nämlich keine Zeit, darum haben diese Leute nur wenig Chancen, eine zur bisherigen Verwendung ähnlich wertige Tätigkeit zu finden. Gut, immerhin hat er den Vorteil, dass er nicht gekündigt werden kann - ohne Frage!

Gegen deinen möglichen Einwand, dass er sich ja etwas anderes suchen könnte: mit 50+ (und 30+ Dienstjahren) überlegt man es sich tausend mal, ob man seine ungeliebte, aber sichere Stellung aufgeben soll. Der Arbeitsmarkt gibt für ältere Arbeitnehmer nämlich nicht so viel her, wie du vielleicht glaubst.

"ein neues Dienstrecht schaffen": ich will auch viel, aber weder Frau Bures noch ich können ein neues Dienstrecht schaffen, da gehört schon ein bisschen mehr dazu.

"Fix ist laut Bures, dass 2008/2009 nur noch jeder zweite pensionierte Beamte nachbesetzt wird." Nebenfrage: Ist das nicht genau das Giesskannenprinzip, dass du so verabscheust?
Hört sich ja im ersten Moment toll an, aber "nicht nachbesetzt" heisst nicht, dass niemand mehr die Arbeit machen wird. Es wird lediglich kein Beamter mehr hingesetzt, sondern ein Angestellter, der auch bezahlt werden will.


Weiters weiss ich sehr wohl, was du willst: du willst einen effizienteren Staat. Ein Wunsch, dem man nur schwer seine Berechtigung absprechen kann.
Dein Vorschlag, eine leistungsorientierte Bezahlung einführen, wäre ja grundsätzlich nicht verkehrt. Allerdings habe ich das Gefühl, wir sprechen aneinander vorbei: ich denke an Arbeiter, denen im Monat zwischen 900 und 1700 Euro netto bezahlt wird. Und diese machen den Großteil der öffentlich Bediensteten aus. Du denkst wahrscheinlich an hochrangige Beamte in Managementpositionen, die ein mehrfaches davon kassieren (sektionschefs etc.). Darum sehe ich es nicht ein, dass z.B. eine Kindergärtnerin, die für ihre unbestreitbar verantwortungsvolle Tätigkeit mit 1100 Euro netto das Auslangen finden muss (bei 40 Wochenstunden), von dir in einen Topf geworfen wird mit Team-, Abteilungs- und sonstigen Leitern, die, dank Auswechslung durch Privatangestellte, mittlerweile sehr wohl leistungsorientiert bezahlt werden , und damit fast immer mehr bekommen als ein Beamter in gleicher Position.

Zur Veranschaulichung ein Beispiel aus meiner Sparte: der Leiter einer Abteilung mit 80(!) ihm unterstellten Arbeitern geht im Monat mit 1400 Euro netto nach Hause. Ist das zuviel? Zuwenig? Er hat genug Stress, das kannst du mir glauben, er ist von früh bis spät im Einsatz, er ist "dran" wenn einmal etwas schiefgeht, und darf auch noch mitarbeiten, wenn Not am Mann ist. Aber: er ist pragmatisiert und hat damit einen sicheren Job. Er ist zufrieden.

Verstehst du mich wenigstens ein bisschen?
____________________________________
Viele Grüße

Alex

(SUV-Fahrer aus Leidenschaft)
Alex1 ist offline   Mit Zitat antworten