Einzelnen Beitrag anzeigen
Alt 05.10.2006, 17:03   #2
kikakater
Inventar
 
Registriert seit: 24.01.2001
Beiträge: 5.631


Standard

Zitat:
Bildungsferne

In „Schöne neue Welt“ bedeutet Bildungsferne eine Gesellschaft, deren Bildung sich auf eine höchst pragmatische, für die Gemeinschaft nützliche Bildung beschränkt. Humanistische Bildung ist dabei völlig zu vernachlässigen, da sie den Menschen zum Nachdenken anregt und ihm eine kritischere Sicht auf die Welt ermöglicht. Da es nicht im Interesse der Gesellschaft ist, den Menschen für die Defekte dieser Gesellschaft zu sensibilisieren, wird jede Bildung, die man sich durch Überlieferung (z. B. Bücher, Geschichte, Kultur) aneignet, unterdrückt. „Geschichte ist Mumpitz“ (engl. Ausgabe History is bunk; ein bekannter Ausspruch von Henry Ford) lautet daher einer der Leitsätze der Weltregierung. Ein vages Gefühl, wie schlimm die Welt früher doch war, ist für die allermeisten Bürger die einzige Geschichtskenntnis.
Zitat:
Bedeutung für die Gegenwart

Der im Jahre 1932 von Huxley geschriebene Roman „Schöne neue Welt“ ist heute aus einer ganzen Reihe von Gründen vielleicht aktueller als je zuvor. Dazu zählen:

* sicherlich an erster Stelle die Erkenntnisse der Gentechnik, die die von Huxley beschriebenen Verfahren immer greifbarer werden lassen. Es wird eventuell schon bald technisch möglich sein, Menschen künstlich zu reproduzieren und sie physisch und psychisch ihren zukünftigen Funktionen in der Gemeinschaft anzupassen. Schon heute wird mit verschiedenen Verfahren der pränatalen Diagnostik (z. B. Feinultraschall, Chorionzottenbiopsie oder Amniozentese) eine Anzahl von Krankheiten und Behinderungen erkannt, und häufig wird ein Schwangerschaftsabbruch aus sogenannter medizinischer Indikation vorgenommen, da gemeinhin der Wunsch nach einem potentiell später leistungsfähigen, gesellschaftlich gut gestellten Regelkind die Gefühle der meisten werdenden Eltern zu ihrem Kind bestimmt.

Auch wenn die Technik des Klonens nur sehr bedingt dem Huxleyschen Bokanowsky-Verfahren entspricht, ermöglicht sie die Produktion von genetisch identischen Individuen. Neben der Frage, was für den Einzelnen ethisch vertretbar ist, stellt Huxley die Frage, wie die Gesellschaft als Ganzes und der Staat mit den sich ergebenen Möglichkeiten umgeht.

* Aber auch die Erkenntnisse der Psychologie, Hirnforschung und Medizin (beispielsweise bei der Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung) werfen Fragen auf, die Huxley schon thematisierte, wie zum Beispiel: Was ist freies Denken? Welches Verhalten ist unproduktiv? Wieviel Andersartigkeit ist gesund und wird von einer Gesellschaft geduldet? Wie könnten die Erkenntnisse der Psychologie, Hirnforschung und Gentechnik zur Kontrolle der Gesellschaft eingesetzt oder missbraucht werden?
* Häufig wird die westliche Kultur für ihre Verdrängung des Todes aus dem Bewusstsein und ihren Jugendkult kritisiert.
* Vieles scheint darauf hin zu deuten, dass Huxleys Konsumgesellschaft eine extreme, aber logische Entwicklung unserer ökonomischen Werte darstellt, in denen persönliches Glück durch die Fähigkeit beschrieben wird, Konsumgüter anzuhäufen, und Erfolg durch Wachstum und Wohlstand definiert wird. Nicht nur religiöse Kritiker gehen zudem davon aus, dass sich der Konsum als eine Art Religionsersatz etabliert hat.
Amerikanismus (Fluch-Begriff für enthemmten Protestantismus, mündet in absolutem Wissenschaftsglauben mit relativierenden Thesen), Humanismus (eigentliche Bedeutung: Dezivilisation in der Zivilisation durch weiblichen Liberalismus konditioniert, Gottesferne, der Mensch ist sich selbst über, nicht nur selbst überlassen), Atheismus


Vereinigte Staaten Begriff
kikakater ist offline   Mit Zitat antworten