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Alt 25.05.2006, 01:18   #2
Matutin
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So, für die manuelle Planung beschreibe ich jetzt einfach mal, wie ich es gelernt hab und wie es dann auch mehr oder weniger in meiner Prüfung abging.
Wir bleiben einfach mal bei dem Beispiel FRA-EWR.

Wir bekommen also gesagt, mit welchem Flieger wir unterwegs sind, was da so kaputt ist oder auch nicht, wie viele Paxe und Crew drauf sind und wie was unser DOW (Dry operating Weight) ist.

Dann gehts ans Preplanning:

Wir ermitteln erstmal unser ZFW (Zero Fuel Weight). Das ist einfach DOW + Load.
Mit dem ZFW gehts dann in einen Grafen, und wir ermitteln unser Holding Fuel.
Mit der Summe aus HF und ZFW gehts dann in den Alternate Grafen und wir erhalten? Na, wer weiß es? Richtig , unser Gewicht bei Ankunft an der Destination (weil, wir fangen ja die Planung von hinten an)

Dann erfolgt ein kleiner Einschnitt, weil wir jetzt erstmal unsere Flugdistanz ermitteln müssen, mit der wir dann unsere Flugzeit berechnen können, um mit dieser wiederum unseren angenommen Tripfuelbedarf zu erhalten. Puh, ganz schön schwer, das alles in Textform zu erklären.
Um die Distanz zu bekommen, guck ich mir an, wie ich fliegen will (Track oder so) und guck mir, an wie ich zum Track komme (gibts ein Pamphlet wo das drinsteht). Dann nimmt man sich einfach seine enroute-charts, fährt mit dem Finger die AWYs ab und addiert einfach die Mileage. In Amerika nehmen wir auch wieder eine NAR und machen hier genauso. Sollte mal ein direkt zu fliegen sein, schnappt man sich eben das gute alte Lineal, zeichnet eine Verbindung, greift wie der gute alte Kapitän Hook zum Zirkel, nimmt die Distanz, legt diese dann an nen Meridian ab und mit dem Wissen, dass 1 Grad 60 NM sind, hat man dann seine Entfernung (puh, watn Satzmonster).

Nun gut, Distanz ist ermittelt.
Damit gehen wir jetzt wie angedeutet nochmal in einen Grafen und voilá, wir haben ne ungefähre angabe für unseren Sprit.

Dann berechnen wir noch schnell unser Gewichtslimit (das heisst, hängen wir am Landegewicht, dem max. Take-off weight oder ist das Wetter bedingte Gewicht so gar am meisten einschränkend)

Im OFP (Operational Flighplan) haben wir nebenbei gleich schon die wichtigsten Punkte unserer Route sowie deren Entfernung und Kurs zwischen ihnen eingetragen. Sind wir nicht gut?

Mit Hilfe eines weiteren Grafen ermitteln wir dann, wann und wo wie Stepclimbs machen. Das ganze ist ziemlich komplex, nur so viel: Da steht drin, wo unsere optimale Flughöhe für unser estimiertes Startgewicht liegt. Dann geht man einfach ran uns sacht sich, bei welchem Gewicht kann ich meinen nächsten Level erreichen, teilt dieses dann durch den average Fuelflow für diesen Flug und hat dann seine Meilen bis zu ersten bzw. nächsten Stepclimb.

Mit diesem Wissen ausgerüstet, gucken wir dann in die Windkarten für die jeweiligen Höhen und ermitteln den Wind von Punkt zu Punkt und die Temperatur.
Mit letzterer wiederum können wir unsere TAS (True Airspeed) ermitteln.
Aus dieser, der Windrichtung und -geschwindigkeit und dem Track ermitteln wir die GS (entweder mit Aviat oder Navrechner).

Dann errechnen wir mit der Formel TAS / GS x NM die NAMs (Nautical Airmiles = Meilen im Verhältnis zur Luft).

Dann teilen wir unseren Flug in Segmente. Eins endet beim TOC (Top of Climb) und jedes weitere dann immer vor dem nächsten Stepclimb. Manchmal teilt man auch so einfach mal einen Abschnitt, weil er sonst zu lang wäre (meist überm Atlantik).

Dann zücken wir flugs ein Monster von Tabelle - die "Integrated Range Table". Die ist nun echt zu komplex um sie zu erläutern. Außerdem muss ich ja auch was für mich behalten, sonst macht ihr nachher alle noch meinen Job
Jedenfalls bekommen wir mit ihrer Hilfe einen ziemlich exakten Wert für unserern Spritbedarf für jedes Leg.
Die Summe dieser einzelnen Teile ergibt dann unseren TF. Dazu noch Cont. (5 % vom TF), Holding Fuel und Alternate Fuel und wir haben unser Minimumfuel.
Dazu kommt dann noch evt. Etrafuel, den aber die Crew bestimmt und ne Tonne Taxisprit.

Jetzt noch ganz schnell den ATC-Plan ausgefüllt, und wir sind fertig! *jubel*


So, ich hoffe ihr seid mitgekommen. Bitte seht mir Rechtschreibfehler nach, aber es ist jetzt 00:15 Uhr, und ich in saumüde.
Nur als Info. In der Prüfung hat man dafür 4 Stunden Zeit. Bei meinem ersten Hausaufgabenplan hab ich 13 Stunden gebraucht, verteilt auf drei Tage....


Gute Nacht ihr lieben

Tom
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