Hi,
das ist ja richtig was zum nachdenken, schliesslich landet man nicht alle Tage in rund 10.000ft Höhe und fliegt auch nicht ohne Einschränkung (Sauerstoffmasken) in dieser (Kabinendruck-)Höhe oder darüber.
Zunächst mal zur automatischen Kabinendruckregelung der B-757 grundsätzlich:
Vor dem Start dreht man die Höhe des LANDE-Platzes ins Fenster der Kabinendruckregelung ein. Sobald das Flugzeug abgehoben hat, "fährt" die Automatik den Kabinendruck langsam und proportional zur Steigrate des Flugzeuges bis ein Differenzdruck (Differenz zwischen Aussen- und Innendruck) von 8,6 psi (=pounds per square inch) erreicht ist, dann hält die Automatik diesen Differenzdruck. In 35.000 ft Flughöhe entspricht dies einer Innendruckhöhe von etwa 5.000 ft. Stellt die Automatik fest, dass das Flugzeug seit einer Minute seine Flughöhe nicht mehr geändert hat, so fährt die Automatik den Kabinendruck auf den jeweils höheren Wert von dem der zugehörigen Flugzeughöhe ODER dem der Landeplatzhöhe. Da im Falle von Quito der Landeplatz höher liegt als die "normalen" 5.000 ft Kabinendruckhöhe, würden sich allmählich die rund 10.000 ft Landeplatzhöhe einstellen und es müssten alle Insassen Sauerstoff nehmen. Ausserdem würde die Warnung "Cabin Altitude" ausgegeben, sollte auch nur kurzzeitig diese 10.000 ft Kabinendruckhöhe überschritten werden. Hier macht es also Sinn, eine Landeplatzhöhe von deutlich weniger als 10.000 ft einzustellen, so dass während des Reisefluges eine angenehme und sichere Kabinendruckhöhe eingehalten wird, z.B. die o.g. 5.000 ft.
Sinkflug:
Hat das Flugzeug die Reiseflughöhe um mehr als 1.000 ft verringert, so ist das für die Automatik das Signal, in den Kabinen-Sinkflug-Modus zu gehen. Die Kabinendruckhöhe strebt dem Druck entsprechend der eingestellten Landeplatzhöhe zu, in unserem Fall müsste zu diesem Zeitpunkt die Platzhöhe von 10.000 ft ins Reglerfenster eingedreht werden, wie es der Co ja auch macht. Da bei einer Fehlfunktion der Automatik 10.000 ft Kabinendruckhöhe schnell überschritten werden können, sollten vorsichtshalber die Sauerstoffmasken aufgesetzt werden, ausserdem ist der Mensch leistungsfähiger, wenn er nicht in einer solch dünnen Luft arbeiten muss. Warum im weiteren Sinkflugverlauf eine Landeplatzhöhe von 15.000 ft eingestellt wird, ist mir schleierhaft. (Eine Bemerkung am Rande: Laut meiner Boeing Unterlagen lässt sich maximal eine Landeplatzhöhe von 14.000 ft einstellen.) Im Gegenteil: Die Automatik fährt den Kabinendruck noch etwas unter die Landeplatzhöhe, nämlich so, dass noch 0,125 psi aufrecht erhalten werden. Dadurch wird erreicht, dass alle Türen noch leicht von innen nach aussen an ihre Rahmen und Dichtungen gedrückt werden, wodurch Klapper- und Zischgeräusche vermieden werden und die Verriegelungen entlastet bleiben. Erst nach der Landung wird der Kabinendruck vollständig abgelassen.
Tut mir Leid, dass ich die Fragen nicht vollständig beantworten kann.
Happy landings!
HP
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