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Alt 01.05.2001, 07:10   #18
Guru
 
Registriert seit: 01.01.1980
Ort: Wien
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Argumentationsfehler?

Hi Gurufreunde!

>Ich glaub das nicht. Schauts euch mal um. Wenn man mit >Leuten aus anderen Ländern spricht, haben die >seltsamerweise die gleichen Argumente und Probleme. Sicher >ist es schwer was dagegen zu unternehmen, da müsst ma >wirklich auf a Magistrat gehen und den Leuten dort auf die >Nerven gehen. Die werden dann wieder wie alle anderen >sagen "ich hab ja eh schon so viel zu tun". Aber sicher, >wenn man überzeugt ist, daß da was weggehört, könnt man >schon einmal "vorsprechen".

Stopptafeln an Eisenbahnkreuzungen unterliegen der Eisenbahnbehörde erster Instanz und das ist in Österreich das jeweilige (Bundes)Land.

>Aber ich glaub nicht, daß das die wahren Probleme sind. >Die wahren Probleme sind, daß die gefährlichen Leute genau >dieselben Argumente verwenden. Also mit 160 und >konzentriert fahren und so. (BITTE das nicht sofort als >Einordnung in diese Kategorie zu sehen). In Wahrheit sind >wahrscheinlich 99% der Leute schon einmal 160 gefahren, >einschließlich mich.

Die wahren Probleme sind, dass Tempo 160 in einem Fall überhaupt nichts ausmachen, im anderen Fall viel zu viel sind.

>Aber ich möcht einmal ein paar Geschichten aus der >Realität bringen:

>Plötzlich liegt mitten auf der Fahrbahn ein metergrosser >Strohballen, der Vordermann schaffts im allerletzten >Moment, noch daran vorbeizuziehen. Ich seh schon wieder >einen schreiend im Wrack liegen. Kein Problem für mich, >denn mit 130 und Abstand seh ich ja was auf mich zukommt. >Es ist dabei nicht egal, ob man 130 oder 160 fährt, denn >mit 160 ist der Bremsweg DOPPELT so lang.

Guru hat doch etwas von Eigenverantwortung gesagt: wer mit 160 fährt und die Kolonne vor ihm 130, kann selbige nicht wirklich haben, oder? Und: Bremsweg bei 130 ist laut Gesetz (Mindestbremsweglänge) 169m, bei 160 km/h 256m. Also nicht wirklich doppelt.

>Ich fahr ganz normal, plötzlich fällt ein langes Rohr vom >Lkw. Ist schon a Unterschied wie schnell man ist, oder ? >Ja ich weiß, wenn man Pech hat, nützt alles nichts. Aber >die Wahrscheinlichkeit ist wesentlich geringer, daß man >mit 160 noch bremsen oder ausweichen kann.

Natürlich wird es immer Ausnahmesituationen geben, mit denen Menschen nicht rechnen. Aber hier sagt Guru, was dann die Logik sagen würde: mit Tempo 0 kann gar nichts passieren...

>Lände. Ein Lieferwagen fährt vor mir, plötzlich fällt eine >Werkzeugkiste von der Ladefläche. Ich fahr >vorschriftsmässig mit Abstand und hab kein Problem. Fahr >einfach nach rechts und schalte die Warnblinkanalage ein. >ACHTUNG ! Nicht aussteigen !!! Jetzt dauerst ungefähr 2 >bis 3 Sekunden, bis die Massenkarambolage folgt. Von >hinten kommen 4 oder 5 Autos mit über 70 kmh. Und die >hatten MASSIG Abstand. Ein paarmal Bersten und Splittern >und die Sache ist erledigt. Zum Glück achtet man darauf, >daß auf der rechten Seite wer stehen kann, deshalb bin ich >noch mit heiler Haut davongekommen.

Du führst ja selbst den Beweis. Wer nicht schaut, wird auch bei Tempo 20 noch zu schnell sein. Und Guru denkt bei dem Terminus "Eigenverantwortung" schon daran, dass dieser "Schauen" auch einschließt.

>Glatteis und vorne ist ein Zebrastreifen mit einem Kind >davor. Ich fahr langsamer und lass das Kind drübergehen. >Plötzlich kommt von hinten einer und bremst an meinem Auto >vorbei. Im allerletzten Moment und nur wenige Zentimeter >vor dem Kind bleibt er stehen. Was soll man mit solchen >Trotteln tun ?

Führerschein entziehen. Denn wer - egal bei welchem Wetter - an einem vor einem Zebrastreifen anhaltenden Fahrzeug vorbeifährt, ist nicht reif genug, um im Straßenverkehr zu sein. Basta!

>Glatteis. Vor mir fährt jemand und bremst ohne Abs. >Natürlich schleudert er. Der engegenkommende Lkw zermalmt >das Auto. Von hinten kommen wieder die "Freie Fahrt" >Bürger und bremsen an meinem stehenden Auto mit >Warnblinker vorbei. Wieder einmal Glück gehabt.

Was hat das mit Eigenverantwortung zu tun? Schon der erste Lenker hatte diese nicht, sonst wäre er nicht zu schnell gefahren - von den nachfahrenden Lenkern nicht zu reden, sie hatten auch nicht...

>Ein positives Beispiel aus UK. Zur Anmerkung: Die haben >die strengsten Strafen in Europa, nicht so ein Trinkgeld >mit 300,-- wie bei uns das die Gstopften aus der >Portokassa zahlen. Da fährt der bedauernswerte Engländer >auf der Freilandstraße ohne Verkehr um 20 Kmh zu schnell. >Da würde man sagen, das geht. Zahlt dafür umgerechnet 2 >Tausender. Er schimpft zwar, daß er nicht versteht warum. >Aber er macht das nie wieder, weil er genau weiß, daß das >noch das geringste war, was ihm passieren kann.

In der Zwischenzeit sind die Strafen in Österreich deutlich gestiegen - aber dies trifft doch nicht den Kern der Sache.
Eine freie Landstraße, schönes Wetter, kein Verkehr, km-weise freie Sicht - eine ehemalige Baustelle mit vergessenen Tempo 30-Schildern. Guru fährt 70 - na logo steht ein Gendarm gut getarnt hinterm Busch. Guru wird angehalten, die Exekutive will 500 ATS. Guru zahlt nicht, läßt sich anzeigen. Anzeige: 1.200 ATS. Guru erhebt Einspruch, bekommt Recht, zahlt nichts.
Was ist nun die Eigenverantwortung?
Der Gendarm hat eine Geschwindigkeitsbegrenzung, die es schon laut Bescheid seit 4 Tagen nicht mehr geben dürfte, zum KASSIEREN benutzt...

>Ich hab noch eine lange Liste an Geschichten, die ich >selbst in meiner jetzt fast 15jährigen Pendlerzeit erlebt >hab. Ich kann nur sagen, mit etwas mehr Pech wär ich schon >lang mir mehr am Leben.

Guru fährt im Jahr so an die 30.000 km Auto und so 10.000 km Motorrad. Mit Eigenverantwortung und laut den Buchstaben des Gesetzes oft auch zu schnell (manchmal noch vielen anderen VIEL zu langsam). Abgesehen davon, dass Guru nur äußerst selten wegen Schnellfahrens zahlt, hatte Guru seit 1974 keinen Unfall...

>Also ich will jetzt keinem irgendwas unterstellen, mir ist >auch klar das jeder mal Fehler macht. 160 dort wos geht, >kein Problem. Ich stimme zu, aber nur wenn ich ganz allein >auf der Straße bin.

Auf der deutschen Autobahn bist Du auch nicht allein, trotzdem fahren die Leute dort noch schneller, die Zahl der Unfälle und Verkehrstoten ist in Österreich aber höher (hochgerechnet).

Gegenfrage: warum fahren Österreicher auf deutschen Autobahnen brav rechts, bei uns in Österreich aber prinzipiell links? Warum halten die Österreicher in Deutschland brav den richtigen Abstand, in Österreich aber nicht?

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