Genuneit (1996) beschreibt Analphabetismus als Folge
von fünf Formen von Armut:
Ökonomische Armut: Spätere Analphabeten kommen häufig aus sozialen Schichten, die von wirtschaftlicher Armut bedroht sind, wo finanzielle Engpässe dazu zwingen, Kindern nicht die notwendige Zuwendung zu bieten.
Soziale Armut: Rechtschreibkönnen gilt gesellschaftlich als äußerst hoch besetzt. Lese- und schreibunkundige Menschen werden von der Gesellschaft ausgegrenzt. Angst, Stigmatisierung und Diskriminierung sind die Folge.
Kommunikative Armut: Spätere Analphabeten kommen aus Familien, in denen (annähernd) nicht geschrieben, gelesen oder vorgelesen wurde. Sie kommen in die Schule, ohne zu wissen, wofür man Lesen oder Schreiben gebrauchen könnte. Noch schlimmer ist, dass mit ihnen nicht ausreichend gesprochen wurde. Fehlende Kommunikation führt zu Entwicklungsverzögerungen, auch der Sprachentwicklung. Bestimmte Sprachfertigkeiten sind jedoch notwendig beim Erlernen des Lesens und Schreibens.
Pädagogische Armut: Schule und Lehrer/innen sind häufig nicht in der Lage, auf gesellschaftliche Veränderungen adäquat mit pädagogischen Konzepten zu reagieren. Wenn Lesen und Schreiben nicht während der Schulzeit einerseits als sinnvoll erfahren und andererseits automatisiert wird, dann wird Lesen und Schreiben nach der Schulzeit nicht angewendet – auch aus Angst, aufgrund schlechter orthographischer Kenntnisse zu versagen. Was aber vermieden wird, wird wieder “verlernt”.
Politische Armut: Der Politik ist es bisher nicht gelungen, die Strukturen so zu verändern, dass die genannten Probleme bewältigt werden können. Vielfach hat Politik die Komplexität der Probleme noch gar nicht erkannt. Und so ist Analphabetismus auch eine Folge politischer Armut.
http://www.blindenanstalt-nuernberg....s/ursachen.htm
lg
cin