zitat, damit wir alle vom gleichen text reden
Energie:
"Strom bis 2010 um die Hälfte teurer"
(Die Presse) 06.04.2004
Strom wird in den nächsten sechs Jahren um 50 Prozent teurer. Laut Günther Brauner (TU Wien) sind dafür steigende Gaspreise und die Verknappung von Strom verantwortlich.
Studie: Bis 2010 wird Strom um 50 Prozent teurer | (c) Die Presse (Fabry)
WIEN (ku). Der Energieexperte Günther Brauner (TU Wien) erwartet, dass Strom bis zum Jahr 2010 um 50 Prozent teurer wird. Zu diesem Ergebnis kommt er in einer Studie, die am Montag präsentiert wurde. Die Hauptursache für den Preisanstieg macht er vor allem in der erwarteten Verteuerung von Gas aus. Ein weiterer Faktor ist die Verknappung von Strom - immerhin steigt der Verbrauch jährlich um mindestens zwei Prozent (im Vorjahr sogar um 3,6 Prozent), ohne dass neue Kraftwerke dazu kämen. Und rund ein Fünftel des Preisanstiegs könnte die Zusatzbelastung durch CO2-Zertifikate ausmachen. Als erstes Land werde Deutschland den Strom verteuern - und zwar vor allem wegen des Ausstiegs aus der Atomkraft. Österreich werde dann nachziehen, so Brauner.
Das Hauptproblem für Kraftwerksbetreiber ist der Studie zufolge, dass die derzeitigen Strompreise nur die variablen Kosten (Primärenergieträger und Betriebskosten) abdecken. Vollkosten könnten derzeit nur in den Spitzenzeiten erlöst werden. "Zum jetzigen Zeitpunkt würde ich nicht empfehlen, Kraftwerke zu bauen", so Brauner. Auch auf Strom-Importe könne Österreich zur Zeit nicht setzen, dafür seien die Leitungskapazitäten zu schwach. Größere Importe seien erst nach dem Lückenschluss im 380-Kilovolt-Leitungsnetz in der Steiermark und in Salzburg möglich.
Bedingt durch die nur halb so hohen CO2-Emissionen von Gaskraftwerken würden immer mehr E-Werke von Kohle auf Erdgas umgestellt. Das führe aber dazu, dass die Liefersicherheit sinke, weil Erdgas nur in wenigen Pipelines nach Österreich kommt. Brauner schlägt vor, auch in Zukunft einige Kohlekraftwerke zu behalten.
Der Energie-Experte fordert zudem, dass Konsumenten mehr Strom sparen sollten. So verbrauchen etwa Geräte im "Stand-by"-Modus in Österreich 800 Megawatt - was zwei thermischen Kraftwerken entspricht. Der Großteil des Stromverbrauchszuwachses werde sicherlich durch thermisch Kraftwerke abgedeckt werden. Brauner erwartet, dass der Anteil von Wasser- und Atomkraftwerken gleich bleibt. "Erneuerbare Energieträger sind zwar interessant, können den Neubedarf aber nicht decken."
Der Biomasseverband fordert indes, dass das österreichische Ökostrom-Ziel von derzeit vier auf sechs Prozent abgehoben wird.
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