Zitat:
Original geschrieben von Klingsor
Freu mich über Übereinstimmung von Guru immer.
Spital ist wirklich viel besseres Beispiel.
Natürlich weiß ich (klarerweise weniger als Du) über die Vielschichtigkeit des Internet bescheid. Aber warum schaffen es Demokratien nicht, die von Dir Monopolisten, von mir Gemeinschaftsunternehmen genannten, so zu kontrollieren und zu optimieren, dass nützliches so rasch als möglich für die Gemeinschaft nützbar wird? Ist die komplexe reale Struktur des Internet ein die Leistungen des Internet optimierender oder erschwerender Faktor? Ginge es nicht viel einfacher?
Ist mir klar, daß in den letzten Jahrzehnten (-hunderten?) nix anders weiter gegangen ist, als es Du beschreibst. Selbst die mittelalterlichen Zünfte, die die eigner des Wissens um bestimmte Handwerke schützten und nicht der Gemeinschaft dienlich waren, haben sich im Kammerwesen bis heute erhalten.
Der relativ junge Konsumentenschutz ist da meiner Meinung nach nur eine end-of-the-pipe-Lösung
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Interessanter Einwurf, ehrlich! Hier spielt natürlich auch die ideologische Einstellung der Beteiligten (und damit meine ich die Gesetzgeber) sehr stark mit. Vereinfachend gesagt - es gibt eine sehr liberale Ansicht ("der Markt regelt sich selbst, es müssen nur die Rahmenbedingungen entsprechend vorgegeben werden") und eine sehr 'gegenteilige' Sicht ("Grundleistungen müssen durch die Gemeinschaft erbracht werden, damit dürfen keine Gewinne erzielt werden').
Wie immer scheint es Guru so, dass die Wahrheit nicht die Extrempositionen sind. Gurus Meinung ist, dass alles, was für die "Grundversorgung" der Menschen notwendig ist, auch nicht gewinnerzielend zu erbracht werden hat. Dazu zählt zB. Wasser oder medizinische Versorgung.
Beim Internet sollte man die Geschichte nicht vergessen: das Internet entstand aus dem ARPAnet, einem militärischen, verteilten und redundantem Netz, das viele parallele Wege aufwies. Ziel bei der Entwicklung dieses Netzes war, dass bei Ausfall von einzelnen Wegen die Funktion des Netzes nicht beeinträchtigt wird. Die Universitäten der USA haben es dann (vereinfachend gesagt) weiterentwickelt und nachdem auch die Studenten von anderen Punkten außerhalb der Universität auf Server und Dienste zugreifen wollten, wurden externe Zugänge geschaffen (Dial-In per Modem). Dadurch, dass plötzlich viele Universitäten und auch Firmen (die die fertigen Studenten einstellten) weiterentwickelten und auch Geld investierten, ergibt erst die Vielschichtigkeit des Internet. Dadurch, dass es eine neue Struktur der Entscheidungen gegeben hat, hat ja erst das Internet ausgemacht. Ob das damals eine Riesenfirma wie IBM war oder eine ganz kleine Bude wie Cisco - jede dieser Firmen brachte KnowHow und Wünsche ein, die dann wirklich demokratisch abgehandelt wurden - auch wenn die Entscheidung zB gegen IBM war.
Ginge es einfacher? Ja, es ginge. Nicht so sicher, so vielschichtig, so simpel und einfach - aber es ginge. Wenn heute jemand eine kleine Firma aufmacht und Internet Service Provider werden möchte, dann kann er sofort einen Port am Vienna Internet Exchange um wirklich günstige Preise haben und hat damit schon Zugang ins Netz der Netze. Wer aber 'bessere' Connectivity will, der muss schon mehr investieren - zum Beispiel eine eigene Leitung nach Frankfurt, nach Amsterdam oder London und muss auch eine ziemliche Menge an Traffic haben, um mit den "Großen" (wie zB DTAG, Colt, Telia, Cable&Wireless, Sprint) peeren zu können (dürfen).
Konsumentenschutz ist einfach ein Korrektiv für den zu liberalen Markt, letztendlich also auch nichts anderes als eine Rahmenbedingung.
Guru