Lieber HP,
allmählich habe ich so den Verdacht, dass Du uns vielleicht systematisch zum Schreiben provozierst.
Für den Simmer ist es überhaupt nicht wichtig, vom Schuler-Pendel etwas zu verstehen und ich glaube auch nicht, dass ein Flugkapitän sich damit ungedingt auskennen muss. Trotzdem, diese Rubrik hat viele Leser und es schadet nicht, mal nach links oder rechts zu schauen.
Wenn man am z. B. vom Äquator direkt zum Nordpol fliegt, dann hängt schon nach kurzer Flugzeit die Plattform des Trägheitsnavigationssystems schief, weil sie ja durch die Kreisel ihre Lage im Raum beibehält. Um das zu verhindern, muss die Plattform durch Stellmotoren nachgeführt werden. Wie die Plattform schief steht, kann man feststellen, wenn man die Messwerte der Bescheunigungsmesser miteinander vergleicht, und so eine von der Flugzeugbeschleunigung bereinigte Komponente der Erdbeschleunigung ermittelt. Das durch den Vergleich ermittelte Signal wird Regelverstärkern zugeführt, die dann die Stellmotoren speisen. Das Ganze ist ein Regelkreis, der erst eine Abweichung vom Sollwert braucht, damit er wirken kann. Die Plattform schwingt dann ungedämpft mit kleinster Amplitude sinusförmig um ihre Sollposition. Die Schwingungsdauer beträgt 84,4 Minuten, das kann man einer Differentialgleichung ausrechnen. Eine solche Plattform ist dann „schulerabgestimmt“ und empfiehlt sich für Flugzeiten > 84,4 : 4 = 21,1 Minuten. Der Vorteil der schulerabgestimmten Plattform ist, dass der Positionsfehler nicht ständig zunimmt, sondern periodisch zu- und abnehmen.
Noch ein Wort zum Schuler-Pendel. Ein Schuler-Pendel ist ein theoretisch-mathematisches Pendel mit einer punkförmigen Masse an einem masselosen Faden gleich lang dem Erdradius. Die Schwingungsdauer bei kleinen Auslenkungen beträgt 84,4 Minuten.
Das Problem der Erdabplattung bereinigt man durch ein Korrektursignal im Rechner.
Sorry, wenn ich vielleicht durch diesen Beitrag nicht ganz den Stand der derzeitigen Technologie getroffen habe, ich musste dafür tief in meinem Gedächtnis kramen.
Ich denke, auch bei einem System mit Laserkreiseln müssen die Beschleunigungssensoren immer richtig zu dem vom Erdmittelpunkt ausgehenden Radiusvektor stehen, und deshalb kommt man an die Nachführung nicht vorbei.
Gruß! Hans
[Dieser Beitrag wurde von Hans Tobolla am 05. Februar 2001 editiert.]
[Dieser Beitrag wurde von Hans Tobolla am 05. Februar 2001 editiert.]
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