Hallo liebe Leser,
vielleicht noch eine kleine Ergänzung zu den beschriebenen Beschleunigungsmessern. Das Pendel darf beim Beschleunigen nicht pendeln. Stellt Euch mal vor, die Beschleunigung hört schlagartig auf. Dann müsste das Pendel ohne den geringsten Zeitverlust (!) wieder in die Ruhestellung zurück und dort ohne Überschwinger verharren. Das kann man nur mit unendlich starken Kräften hinkriegen und ist deshalb unmöglich. Dann ist es schon besser, man hält das Pendel über eine hervorragend abgestimmte Regelschleife durch Elektromagnete super exakt in der Mittelstellung. Der Strom durch die Elektromagnete ist dann ein Maß für den Beschleunigungswert.
Die Berechnungen für die 3 Achsen sind dann nicht mehr schwierig. Im Prinzip gilt:
Geschwindigkeitswert = Beschleunigungswert * Zeitintervall
Strecke = Geschwindigkeitswert * Zeitintervall
Eine einfache Multiplikation reicht nur, wenn Die Beschleunigungswerte stets konstant sind. Da das in der Praxis kaum vorkommt, muss integriert werden (im Mathe-Unterricht durch den „Fleischerhaken“ symbolisiert).
Die Genauigkeit eines Trägheitsnavigationssystems wird ganz wesentlich von der Qualität seiner Beschleunigungsmesser bestimmt, denn wenn der Beschleunigungsmesser auch nur den allergeringsten Wert abliefert, obwohl das Flugzeug mit gleichbleibender Geschwindigkeit fliegt, so ergibt sich über die lange Flugzeit ein großer Geschwindigkeitsfehler und infolge eine ganz erheblich falsche Position. Ich habe das für diesen Fall mal überschlägig nachgerechnet: Falls ein Beschleunigungsmesser fälschlicherweise ein Tausendstel des Erdbeschleunigungswertes abliefern würde, dann ergibt sich über einer Stunde daraus ein Positionsfehler von 34 nautischen Meilen. Zu solchen Fehlern kann es auch kommen, wenn die Plattform nicht sehr genau ausgerichtet ist, also etwas hängt.
Viele Grüße!
Hans
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