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Matutin 07.05.2002 15:41

Fragen zu Luftlöchern und Wolkendurchflügen
 
Hi ihr Profis

Ich hätte da mal ne Frage. Welchen Grund hat es, dass ein Flugzeug beim Durchfliegen eines Lufloches absackt? Gibt es da einen Strömungsabriss unter den Tragflächen oder hat es was mit dem Luftdruck zu tun?

Außerdem würde ich mal gerne wissen, warum der Flug ungemütlich wird, sobald man dicht über oder durch Wolken fliegt?

Danke schon für eure Antworten

Matu

Marc_H 07.05.2002 15:47

Würde ich gerne wissen.:)

spooky_763 07.05.2002 15:54

Hallo Matu,

ein Pilot oder Meteorologe kann es dir bestimmt ausführlicher beschreiben als ich, doch ich versuche es mal.

Zitat:

Ich hätte da mal ne Frage. Welchen Grund hat es, dass ein Flugzeug beim Durchfliegen eines Lufloches absackt? Gibt es da einen Strömungsabriss unter den Tragflächen oder hat es was mit dem Luftdruck zu tun?
Luftlöcher gibt es in wirklichkeit gar nicht, wenn jemand "Luftloch" sagt, dann spricht er wahrscheinlich von einem plötzlichen Fallwind, oder von einer Abnahme Gegenwindes, dabei würde der Auftrieb (und IAS) verringert werden und das Flugzeug würde kurzzeitig Absacken bis die Geschwindigkeit wieder aufgeholt wird oder der Pilot die Nase hebt. Zum Stall kommt es dabei aber nicht.


Zitat:

Außerdem würde ich mal gerne wissen, warum der Flug ungemütlich wird, sobald man dicht über oder durch Wolken fliegt?
Dieses auf und ab, bzw. Turbulenzen, werden nehme ich an, durch die Thermik in diesen wolken verursacht.





Vielleicht kann ja jetzt noch jemand erklären warum genau in den Wolken (vor allem Cumulus) die Thermik so stark ist, und ausserhalb der Wolke nicht.

AlphaBravo 07.05.2002 16:56

Interessante Frage!
 
Hallo,
diese Fragen würden mich auch brennend interessieren.
Also, wenn ich als Paxe fliege zieht es mir den Magen zusammen, wenn das Flugzeug anfängt zu wackeln, oder absackt.
Irgendwo habe ich auch einen Piloten sagen hören (in einem Flugangst-Seminar [im Fernsehen]) dass man sich das wie Wellen im Wasser vorstellen kann. Es kann nichts passieren, es wackelt halt nur. Zum Glück hält sich meine reale Flugangst in Grenzen, aber erzähl das einem, der kreidebleich da sitzt.
Ich habe auch wo anders im Internet gelesen, dass ein Realpilot wegen immer stärker werdenden Turbulenzen auch die Geschwindigkeit anpassen musste.
Also sind die Turbulenzen gar nicht so "harmlos", wie ich immer dachte. Bei Wind glaube ich sowieso, dass es sehr gefährlich ist.

<Ich finde diese Fragen hochspannend. Warum redet man bloß hier im Forum so selten darüber? :confused: >

holzi 07.05.2002 17:00

Abstürzen wird ein Flugzeug dadurch nicht, aber durch ein plötzliches Absacken können durchaus einige (bes. nicht angeschnallte) Passagiere verletzt werden.

Peterle 07.05.2002 19:21

Eigentlich hat...
 
... Spooky ja schon alles gesagt - Luftloecher gibt's nicht (waer' ja ein Vakuum, in das sofort die Umgebungsluft einstroemen wuerde) - es sind Luftbewegungen von oben, hinten, vorne, usw - Turbulenzen. Die Atmosphaere ist halt permanent in ziemlich chaotischer Bewegung - der Vergleich mit Wellen oder mit dem Meer ist garnicht so falsch.

Warum gerade am/im Cumulus die Turbulenzen so heftig sind? Umgekehrt - der Cumulus wird gerade durch aufsteigende Luft erzeugt: Der Boden ist (schoener Sommertag) aufgeheizt, die warme Luft steigt (manchmal sehr heftig) nach oben. Sie enthaelt Wasserdampf, der damit in hohe, immer kaeltere Luftschichten transportiert wird - bis nun die Luft gesaettigt ist und der Dampf als Troepfchen kondensiert - das ist die Wolke ueber der Thermik. Beim Kondensieren des Wasserdampfs wird nun wieder Energie frei und im ganz schlimmen Fall entwickelt sich ein Cumulonimbus, ein CB, eine gemeine Gewitterwolke.

In einem CB herrschen teilweise auf kleinem Raum Luftgeschwindigkeiten, die locker in den 100-Knoten-Bereich gehen koennen - man sollte sowas mit dem Flugzeug immer meiden.

Das empfindlichste am Flugzeug sind dabei aber immer und vor allem die Passagiere :D - unser Magen-Darmtrakt hat einen feinen Sinn, ob ein paar zehntel G an ihm zerren, unser Gleichgewichtsorgan im Innenohr meldet komische Abweichungen zu dem, was die Augen sehen - Tuete her! Das passiert aber im extremen Fall auch Piloten, Astronauten und andere Fachleute (Copiloten-Vertigo) - ist nichts Ehrenruehriges.

Normale Flugzeuge halten mindestens 4G positiv aus, 2G negativ, Kunstflugzeuge gehen an 8G positiv - die Dinger halten noch, wenn's uns Passagieren schon lange schwarz vor Augen wird :)

Und - ein echter Stall ist ein ERLEBNIS - nix "Luftloch", da ist man (im Extremfall fast beinahe so aehnlich wie) schwerelos, das merkt man :D

Viele Gruesse
Peter

P.S. Ein ganz guter Trick bei miesen Gefuehlen in Turbulenz (wenn's geht): Sitzlehnen nach hinten klappen und mehr liegen als sitzen, dann zerren die G-Kraefte die Innereien weniger. Wenn moeglich: Horizont anschauen, wenn's keinen mehr gibt, die Tragflaeche, aber NICHT nahe Gegenstaende (kein Buch lesen). Bei Piloten: Selber fliegen (man spuert die Luftkraefte in den Steuerorganen und hat einen Feedback zu den sonst nicht einzuordnenden Signalen des Gleichgewichtsorgans). Allgemein: Locker bleiben, nicht verkrampfen - macht doch eigentlich richtig Spass, der Unterschied zur Eisenbahn ;)

holzi 07.05.2002 20:08

Wer übrigens echte Fallwinde erleben will, der sollte mal nach Bilbao fliegen, dort erlebt man sehr häufig eine unsanfte Landung

Peterle 07.05.2002 20:24

Holzi, wobei eine...
 
... "unsanfte" Landung bei Turbulenz eine sichere Landung ist - sanftes Ausschweben mit den dann erforderlichen fisseligen Korrekturen ist riskanter.

Funktioniert auch im Flusi, stell' mal Seitenwind und Schwerwinde ein: Knall die Kiste auf den Boden (solang's das Fahrwerk mitmacht), da haelt sie die Schwerkraft dann viel sicherer, (Klappen rein, Groundspoiler hoch, um Auftrieb zu vernichten), als wenn Du mit den Steuerorgangen durch unberechenbare Wirbel eierst, um "sanft" aufzusetzen. Wenn Du wirklich Pech hast, pustet es Dich dabei unter Umstaenden in die Botanik.

Klar - die Paxe werden dann nicht applaudieren - dafuer sind sie aber heil und sicher auf festem Boden.

Viele Gruesse
Peter

P.S. Eine gute Landung ist dadurch gekennzeichnet, dass man ohne fremde Hilfe vom Flugzeug weggehen kann. Eine exzellente Landung ist dadurch gekennzeichnet, dass man auch noch einige Teile des Flugapparates wiederverwenden kann :D :D

spooky_763 07.05.2002 20:30

Hallo Peterle,

jaaaa, endlich mal jemand der die selbe Meiung über Turbulenzen hat wie ich ;) ich finds auch immer lustig durch wolken zu fliegen.

Zu den CB´s, der Thermik und den Turbulenzen:
Dann ist also die, beim Kondensieren des Wasserdampfes, freiwerdende Energie also, für die ganzen Turbulenzen verantwortlich?

Schliesslich hört das Geschaukle plötzlich auf sobald man die Wolke wieder verlassen hat.

Peterle 07.05.2002 20:52

Spooky, beim ordinaeren Schoenwetter-Cumulus...
 
... fliegst Du ja in einen Thermik-"Schlauch", der nach oben pfeift, Du kommst aus (mehr oder weniger) unbewegter Luft in einen Bereich, der (turbulent, in Blasen und Wirbeln) nach oben steigt. Bei Einfliegen wuchtet es Dich nach oben, dan wackelt's im Schlauch, beim Verlassen des Thermik-Schlauch's "faellst" Du nach unten. Wenn Du im Anflug (STAR-Prozeduren, Vektoren von der ATC) durch einen Kumulus geschickt wirst, ist das ziemlich deutlich, wenn man drauf achtet.

Es gibt aber noch mengenweise andere Formen von Turbulenz: Allgemein immer beim Uebergang in Luftmassen unterschiedlicher Geschwindigkeit (Randturbulenz bei Strahlstroemen z.B, Wellenaufwinde, Leewalzen und Hangaufwinde bei bewegter Topografie (Gebirge), Uebergang Meer-Festland usw).

Solang's genug Tueten gibt... :D

Nee, ernsthaft: Bei Null Sicht in schwereren Turbulenzen wird's irgendwann schon ungemuetlich, weil einfach der eigene Orientierungssinn nicht mehr mitmacht - Du denkst, Du fliegst eine Kurve, dabei zeigen Dir die Instrumente was ganz anderes - nervt irgendwann auch abgebruehte Piloten. Meist geht's aber recht schnell vorbei, Sturmfluege, wo's eine Stunde und mehr dauernd dermassen wackelt, dass man sich wie die letze Sardine in der Buechse fuehlt, sind ziemlich selten.

Viele Gruesse
Peter


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