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Motorkunstflug im Wettbewerb
Da wir im Designer-Forum sind wir bezüglich des Motorkunstfluges auf Fragen bezüglich der Figuren und wie sie in einer Sequenz geflogen werden gestoßen. Darum will ich hier eine allgemeine Einführung bringen. Nicht wie man einzelne Figuren fliegt - das kann man in Büchern nachlesen bzw. findet auch rudimentäre Informationen in der MS Hilfe, sondern über den ganzen Hintergrund eines Wettbewerbfluges.
Es besteht nämlich ein großer Unterschied zwischen den Kunstflugvorführungen bei Flugshows und eines eigentlichen Wettkampfes. Solltet ihr mal auf einer Meisterschaft sein könnt ihr dann mit etwas mehr Hintergrundwissen prahlen. ;) Fangen wir einmal mit dem Aufbau einer Sequenz an. Eine Sequenz besteht aus einer Aneinanderreihung verschiedener Figuren. Eine Figur besteht aus einer Basisfigur und keiner, einer oder mehreren optionalen Erweiterungen. All diese Figuren sind im Aresti-Figurenkatalog enthalten. Dieser kann sich über die Jahre auch ändern, die aktuell gültige Version kann man hier herunter laden: http://www.fai.org/aerobatics/catalog/ Jede Basisfigur beginnt mit einer horizontalen Linie und endet auch mit einer. Gezeichnet wird eine Basisfigur am Anfang mit einem Punkt und am Ende mit einem Strich. Die Einfachste Figur ist eine horizontale Linie. http://www.iac.org/images/questi3.gif Diese Figur finden wir im Katalog in der 1.Familie an erster Stelle. Sie hat die Nummer 1.1.1. und einen K-Faktor (Das ist der Schwierigkeitsgrad) von 2. Schauen wir uns diese Seite einmal an: http://www.fai.org/aerobatics/catalo...1/civanew1.htm Die Katalognummer baut sich so zusammen: Familie.Reihe.Spalte. -> 1.1.1. Die Zahl in dem Kreis neben der Figur ist der K-Faktor. Nun gehen wir im Katalog eine Figur weiter rechts. Hier ist die horizontale Linie als gestrichelte Linie dargestellt. Das bedeutet, dass diese Figur negativ geflogen werden muss, also auf dem Kopf. http://www.iac.org/images/questi4.gif Die Katalognummer ist 1.1.2. und der k-Faktor 3. |
Hey, super Idee, hier etwas über die Grundlagen des Motorkunstfluges im Wettbewerb zu erzählen!:)
Find ich gut. Also: Wofür ist denn dieser kleine Bogen auf dem Strich im Katalog? bei deinen beiden Abbildungen von 1.1.1. und 1.1.2. ist der nämlich nicht. Grüße, Jesko |
(Langsam, langsam. Das Thema muss ich ausführlicher beschreiben. ;) )
Nun befindet sich im Katalog ein Bogen an der Linie. Das bedeutet, dass wir hier eine Figurenergänzung einbaugen können. Diese Figurenergänzungen sind Rollen und Trudler die wir im Katalog in der Familie 9 finden. http://www.fai.org/aerobatics/catalo...9/civanew9.htm Die Rollen sind alle noch einmal in verschiedenen Unterfamilien zusammen gefasst. Wir interessieren uns aber erst einmal nur für die Familie 9.1., die einfachen gesteuerten Rollen (Slow-Rolls). Welche Rolle können wir nun einbauen? Das kommt auf unsere Basisfigur an. Bei unserem Beispiel des horizontalen Fluges müssen wir in die Zeile mit der horizontalen Linie gehen. Das wäre die Zeile 3. Als nächstes müssen wir bestimmen wie viel Grad wir rollen wollen. Da unsere Basisfigur sowohl positiv hinein fliegt als auch positiv heraus kommt (bzw. für die invertierte Linie im negativen) brauchen wir eine 360° Rolle oder ein vielfaches davon. Es kommt also die Spalte mit der 1 oben oder der 2 in Frage. Die 1 bezeichnet eine ganze Rolle (360°), die 2 bezeichnet zwei Umdrehungen. Bauen wir eine 360° Rolle ein, sieht unsere Figur so aus: http://www.iac.org/images/roll_125x78.gif Die Zusatzfigur hat eine Katalognummer: 9.1 für die Familie und 3 für die Zeile und vier (ganz unten) für die Spalte. Die Nummer lautet also: 9.1.3.4. und der K-Faktor steht in der Tabelle. Bei uns eine 8. Die Zusammengesetzte Figur kann also jetzt wie folgt beschrieben werden: 1.1.1. k=2 9.1.3.4. k=8 Gesamt k: 10. |
Kleiner Ausflug:
Wie wird der K-Faktor verwendet? Im Wettkampf sitzen national mindesten 5 Kampfrichter, international mindestens 7 (?). Diese benoten jede Figur einzeln. Stimmt die Linie? Gibt es Abweichungen? Ändert sich die Rollrate? Für jeden Fehler gibt es fest gelegte Fehlerpunkte. Der Pilot erhält für eine Figur erst einmal 10 Punkte. Jeder erkannte Fehler führt zu einer Reduktion dieser Punktzahl. Da die Judges auch nur Menschen sind und auch relativ weit auseinander sitzen und damit die Perspektive unterschiedlich ist, kommt es meist zu etwas unterschiedlichen Noten. Note Judge 8.5 A 8.5 B 7.5 C 8.0 D 9.0 E Diese Noten werden mit dem K-Faktor der Figur multipliziert und zusammen addiert. Bei unserer 10 k Figur also: 85 + 85 + 75 + 80 + 90 und durch die Anzahl der Judges geteilt. Alle Punkte zusammen gezählt plus einer Raumnote (später) ergibt sich eine Gesamtpunktzahl. Im internationalen Vergleich werden dann noch rechnerisch gewisse Bewertungsmerkmale der Richter heraus gerechnet. Darauf gehe ich aber hier nicht ein. |
Was nun wenn wir nur eine halbe Rolle einbauen wollen?
Dann müssen wir eine andere Grundfigur wählen. Wenn wir positiv in die Figur hineinfliegen würden wir die Katalognummer 1.1.3. verwenden. Sie fängt mit einer durchgezogenen Linie an und hört mit einer gestrichelten auf. In der mitte befindet sich eine "halbe Rolloption" also können wir hier auch nur Rollen einbauen, die um 180° verdreht aufhören. Z.b. Nummer 9.1.3.6, eine 1 1/2 Rolle. Figur 10 wäre das Beispiel 1.1.4. k = 2 9.1.3.6. k = 10 k ges = 12 http://www.flightxtreme.com/xtreme/b...enceBuild2.gif |
Im obigen Beispiel finden wir auch verschiedene gesteuerte Rollen:
Figur 1: Eine halbe Rolle 9.1.3.2 k=4 Figur 3: Das ist eine vier Zeitenrolle. Diese wird durch die 4 an der Rolle gekennzeichnet. Wir finden diese Rollen im Katalog unter 9.4. Die gezeigte 360° Rolle in der Horizontalen hat also eine Katalognummer von 9.4.3.4 k=11 Vier Zeiten bedeutet, das die Rolle alle 90° kurz gestoppt werden muss. Eine 180° Vierzeitenrolle hat also Stopps bei 90° und 180°. Figur 5: Hier sehen wir mal eine Figur in der Vertikalen. Außerdem zeigt die wegführende Linie in den Raum hinein, eine "Windkorrektur-Figur". Basisfigur ist hier: 1.6.1. k=10 und die Rolle: 9.1.1.1. k=6. Die Rolle zeigt mit dem 1/4 an, dass um 90° gerollt wird. Figur 7: Halbe Rolle 45° abwärts: 9.1.4.2. k=4 Figur 9: Rolle in 2 Zeiten: 9.2.3.4. k=9 Figur10: 1 1/2 Rollen: 9.1.3.6. k=10 Über weitere Rolloptionen später mehr. |
Betrachten wir Figur 5 ncoh einmal genauer.
Diese zeigt zwei Ecken. Das Flugzeug muss aber keine Ecke fliegen sondern einen Radius. Bei den Figuren werden Radien bis 180° als Ecken dargestellt, 180° und darüber als Kreisabschnitt. Betrachten wir die Figur weiter: Der Pilot fängt also positiv an, fliegt horizontal in die Figur hinein. Dann zieht er das Flugzeug in die Vertikale 90°. In der Mitte der vertikalen Linie macht er eine 90° gesteuerte Rolle - welche Richtung? Kommt auf den Wind an. - und, da die Figur negativ aufhört, zieht wieder einen 90° loop in die Horizontale. Sein Kopf zeigt jetzt nach unten. (Auf die Seitenwindfiguren gehe ich später noch einmal genauer ein.) Mit diesem Wissen können wir (mit ausnahme aller Rolloptionen) die Figurenfamilie 1 verstehen. http://www.fai.org/aerobatics/catalo.../civanew16.htm Klickt euch ruhig mal durch die verschiedenen "rows" hindurch. |
Schauen wir uns die Familie 2 an: Turns und Rollenkreise.
http://www.fai.org/aerobatics/catalo...2/civanew2.htm Nicht zu verwechseln mit einem Loop der als Kreis dargestellt wird. Die Turns und Rollenkreise zeichnet man als Ellipse. In Reihe 1 und 2 befinden sich die einfachen Turns. Wenn nicht ein Vollkreis geflogen wird, dann wird der nicht geflogene Teil mit einer dünn gepunkteten Linie angedeutet, einfach damit man das besser erkennen kann. Geflogen wird der Turn mit einem Bank-Angle von mindestens 60°, weniger gibt abzüge. Wobei man erst auf 60° rollt und dann unmittelbar den Kreis fliegt um dann unmittelbar danach wieder den Horizontalflug geradeaus einnimmt. Katalognummer 2.2.2. bezeichnet also was? Richtig, einen 180° Turn in Rückenfluglage, K-Faktor 5. Die folgenden Reihen bezeichnen Rollenkreise. Hier wird wärend des Turns noch eine oder mehrere gesteuerte Rollen eingebaut. (Ja, geht auch im Flusi!) Die Anzahl der Rollenpfeile bezeichnet dabei die Anzahl der Rollen, die symmetrisch auf den Turn verteilt werden müssen. Wenn der Pfeil nach innen in den Turn zeigt, dreht man nach Innen, zeigt er nach Außen, dreht man nach Außen. Es gibt auch Rollenkreise, bei denen die Drehrichtung wechselt! In welche Richtung "turned" man? Das kommt auch wieder auf die Windrichting an. Sie ist nicht mit dem Symbol vorgeschrieben, es sei denn die Sequenz als ganzen verlangt vom logischen Gesichtspunkt eine bestimmte Drehrichtung. Ist immer wieder lustig anzusehen was manche Piloten den Judges als Rollenkreise verkaufen wollen. ;) Figurenfamilie 2 hätten wir damit auch abgehandelt. |
Figurenfamilie 3 - Kombinationen aus Linien
http://www.fai.org/aerobatics/catalo...civanew356.htm
Diese etwas skuriel ausschauenden Figuren erlauben keine Zusatzfiguren. Das ist auch nicht nötig da hier die Gemeinheit woanders liegt: Sowohl alle Radien müssen mit dem gleichen Radius geflogen werden als auch alle Linienlängen müssen gleich sein. (Die einleitende horizontale Linie und die ausleitende horizontale Linie werden dabei nicht bewertet, die erste davon abweichende Linie wird als Referenz genommen.) Noch einmal zur Erinnerung: Die Ecken werden als Radien geflogen. Und damit dürfte die Familie 3 auch abgehandelt sein. Die Familie 4 ist leer. Sie beinhaltete mal die Trudler, diese befinden sich aber nun in der Familie 9 bei den Zusatzfiguren. |
Figurenfamilie 5 - Stallturns
Eine kleine Gruppe sind die Stall-Turns.
http://www.fai.org/aerobatics/catalo...ivanew3562.htm Aus positiver oder negativer Fluglage drückt man in die Vertikale und dreht im obersten Scheitelpunkt den Flieger um die Hochachse. Das Drehen wird mit dem kleinen Haken gekennzeichnet. Wenn Fahrt aufgenommen wurde wird in die Horizontale ausgeleitet. (Je nach dem gedrückt oder gezogen.) Wir haben zwei Rolloptionen in den Figuren. Der Bogen mit der Ausbuchtung nach oben zeigt die Rolloption in der 90° up-Line an. Der Bogen unterhalb mit der Ausbuchtung nach unten repräsentiert dann die Rollen auf der 90° down-Line. Auch wenn sie so nicht mittig gezeigt sind müssen die Rollen immer in der entsprechenden Linienmitte durchgeführt werden. Die beiden Linien müssen aber nicht gleich lang sein. |
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