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Peter Guth 29.02.2000 00:03

Hallo, Piloten,

mich interessiert einmal Eure Meinung zu den Bemühungen mancher Add On Programmierer, die Flugzeugpanels immer realistischer, sprich umfangreicher und "komplizierter" zu machen.

Wenn ich mir hier das Panel der 757/767 anschaue, welches einen sehr hohen Kenntnis- und Bedienungsstand erfordert (und äußerst realistisch gemacht ist), dann bedauere ich aber die PC Piloten.

Denn sehr sehr viele Einstellungen, die vor und während eines realen Fluges zu tätigen sind, übernimmt dabei der Pilot not flyling (PNF). Im Simulator dagegen muß der arme Mensch vor dem Computer - er ist ja immer der Pilot Flying - neuerdings auch noch viele Dinge erledigen, bis hin zum Sprechfunkverkehr auf Wunsch.

Wenn man, wie viele Leser hier, sehr pingelig ist, dann müsste eigentlich ein gutes realitisches Cockpit nur die Gauges und Bedienelemente haben, die der PF tatsächlich zu bedienen hat. Nicht weniger, aber auch nicht mehr. Aber dann in einer Genauigkeit und Korrektheit der Realität.

Selbst Maddog überschreitet m.E. bereits die Grenze dessen dar, was der fliegende Pilot selber von Hand zu erledigen hat. Der PNF kümmert sich nämlich selbst um so kleine Dinge wie APU, Lichtsteuerung, TRC Setting usw, um das Thema FMC Programmierung erst gar nicht zu nennen.

Und die Adventures müssten eigentlich immer mit automatischem Copilot laufen, weil der PNF auch die Frequenzen rastet und den Sprechfunkverkehr führt.

Unter diesen Gesichtpunkten sind die Standardpanels des FS98 und FS2000, ggf. ganz leicht verfeinert, eigentlich unter einem ganz neuen -positiven- Licht zu sehen. Denn bei aller "Darstellungsarmut" zeigen sie richtigerweise eigentlich nur eines an: die primären Instrumente und Bedienelemente, für die der PF zuständig ist. Nicht mehr und nur geringfügig weniger.

Wo soll eurer Meinung nach langfristig der Trend hingehen?

Gruss Peter Guth

[Diese Nachricht wurde von Peter Guth am 28-02-2000 editiert.]

Erni 29.02.2000 01:03

Hallo Peter,
Das ist eine interessante Problematik. Mit dem was die Standard Panels bieten hat der PC Pilot eigentlich schon alle Hände voll zu tun. Sie bieten auch den Vorteil, dass sie übersichtlich gestaltet sind und die wichtigen Sachen im Vordergrund erscheinen. Ich hatte mal ein Panel einer 747, das sah hervorragend aus, fast wie ein Foto. Aber mit meinem Monitor (15") habe ich die vielen kleinen Schalter kaum wiedergefunden.
Die Kehrseite der Madaille ist aber, dass die PC- Piloten immer besser werden (oder sie glauben es zumindest) und damit erhöht sich der Anspruch. Da könnte dann ein detailgetreueres Panel wieder Spannung in die Sache bringen. Ich besitze die MadDog leider nicht, denke mir aber, dass sie ein Schritt in diese Richtung ist. Hinzu kommt, dass man bestimmte Sachen nur mal ausprobieren möchte, die ein gutes Panel bietet. Ich zum Beispiel ärgere mich immer, wenn ich ab bestimmten Temperaturen De-Ice zuschalte und Pitot-heater und außer, dass der Schalter umgelegt wurde passiert nichts. Ich finde, wenn man sowas vergißt müßte das mit einem ordentlichen Icing bestraft werden, bis hin zum Engine-failure. Dann gibts Arbeit. Aber das ist ja nicht nur Sache des Panels.

Fazit ist denke ich, jedem ein Panel nach seinem Können. Für die Anfänger bis Fortgeschrittenen reichen wahrscheinlich die Standard Panels. Für die Besseren bishin zu den Spitzenkönnern kann es ruhig etwas ausgefeilter sein. Wie es gute Add-Ons ja bieten. Und ein virtueller CO-Pilot sollte vielleicht auch nicht fehlen.

Gruß, Erni

[Diese Nachricht wurde von Erni am 29-02-2000 editiert.]

Joachim Giesler 29.02.2000 01:50

Lieber Peter!

Eine interessante Betrachtungsweise, in der Tat!

Zunächst denke ich einmal, dass der (nur) Virtuelle Pilot häufig nach realer Funktionalität seines Panels strebt, weil er einfach auch das mal alles bedienen möchte, wo so`n richtiger Pilot auch dran "rumknipst". Hier`n "Knöpken", da`n Schalter, dort`n Klick, hier`n Klack bis die ganze Sache so ins Rollen kommt, völlig wurscht, ob das nun seine eigentliche Aufgabe ist oder nicht. Hat einfach was - ist wohl so`n 'Männersplien'! Wenn ich diese Prozeduren als realer Pilot natürlich schon zum "x-Mal" erforderlicherweise selbst durchgeführt hätte, würde mich das wahrscheinlichst auch nicht mehr "antörnen". Und mal davon abgeseh`n, ist man ja auch beides - der PF und der PNF! Dass man im FS zumindest einen Teil der Aufgaben des PNF zwangsläufig aufgebrummt bekommt, beweist allein die kleine aber nicht mindere Tatsache, dass man ja auch die Frequenzen der Radios selber rasten muss.

Was ich persönlich festgestellt habe, ist, dass dieses Bedürfniss spätestens nach dem Takeoff nachlässt, wenn man sich wirklich auf wichtigere Dinge konzentrieren muss!

Fazit: Am Boden stehend hat dieser Realismus schon etwas Neckisches, in der Luft, spätestens aber beim Approach kann er mir als PF gestohlen bleiben - zumindest was den "Schnickschnack" in den Panels angeht!

Gruß, Achim Of The North



[Diese Nachricht wurde von Joachim Giesler am 29-02-2000 editiert.]

MarkusV 29.02.2000 02:25

Hi Peter,

> Wo soll eurer Meinung nach langfristig der Trend hingehen?

Am besten, ich rolle Deine Message von unten her auf. Ich würde gerne meine Meinung hier dazugeben, denn eigentlich komme ich aus einer anderen Welt von Simulatoren (747PS1, AS2) und das gibt einem manchmal den 'bird's eye view' ;-)

Zunächst einmal bin ich geneigt, ganz weit auszuholen und die meisten Addon-'panels' (fast) kollektiv zu verdammen. (No worries - so ernst ist es nicht gemeint.) Leider hat sich hier der Trend entwickelt, den *Eindruck* eines Cockpits so genau wie möglich nachzuahmen. Ja, es sieht schon nett aus, das kann ich nicht von mir weisen. Aber leider bleiben dabei elementarste Grundprinzipien auf der Strecke. Ich persönlich kann mit so einem Panel nicht fliegen, denn: jeder Airliner wird IFR geflogen. Was hilft mir aber ein schönes Panel, wenn der künstliche Horizont meinetwegen 40x40 pixel groß ist und ich den Höhenmesser nicht richtig ablesen kann. Traurig aber wahr, aber solche Panels gibt es zu genüge. Nach meiner Meinung steht bei einem vernünftigen Panel nicht das Aussehen im Vordergrund sondern die Instrumente. Ein löbliches Beispiel dafür ist das Panel des AS2. Hier klebt der künstliche Horizont über die HSI und stößt fast mit dem Höhenmesser zusammen, so daß man mit einem Photo nichts vergleichen braucht. Dafür sind die Instrumente aber gestochen scharf, groß(!) und können nicht skaliert werden. Das einzige, was dem im FS98 nahekommt, sind die RealCRT-Gauges (übrigens mein einziges(!!) kommerzielles FS98-Addon - aus gutem Grund fliege ich den FS98 nur mit solchen Panels).

> Wenn ich mir hier das Panel der 757/767 anschaue, welches einen sehr
> hohen Kenntnis- und Bedienungsstand erfordert (und äußerst realistisch
> gemacht ist), dann bedauere ich aber die PC Piloten.

Um hier einen Bogen zu den 'systems' zu schlagen - ich gebe zu, der AS2 und noch viel stärker 747PS1 haben zu Beginn eine steile Lernkurve, die auf den Anfänger abschreckend wirkt. Andererseits möchte ich die vollständige Systemsimulationen der 747-400 in 747PS1 nicht mehr missen (eine OVHT ENG3 NAC-Warnung im Anflug auf Osaka hat schon was *grins*). Aber ich sollte es anders formulieren. Die 747-400 wird sowohl in PS1 als auch im AS2 simuliert, dort zusätzlich auch die MD-83. Wenn ich im AS2 mit der MD-83 unterwegs bin, dann vermisse ich nichts. Hier kommt es mir auf das FLIEGEN an, möglichst IFR, nach Zeigern auf "steam gauges" (Analoginstrumente). Aber die 747-400 des AS2 benutze ich kaum, denn hier sehe ich deutlich, wo der Programmierer sein Abstriche gegenüber der echten Maschine gezogen hat. Es ist nur noch ein Flugsimulator, kein Flugzeugsimulator. Mir persönlich ist der (echte) FMC wichtig, denn dieses kleine Kästchen steht bei der B747 (zumindest bei PS1) absolut im Mittelpunkt.
Was will ich hier eigentlich sagen? Ich denke, wichtig ist doch, daß man ein Panel hat, das den eigenen Fähigkeiten, Neigungen und Wunsch nach Realität entspricht. (Sorry, aber die meisten FS98-panels z.B. für die 747-400 haben mit Realität nichts zu tun.) Ein 747PS1 ist nicht für Anfänger gedacht und genauso langweilt mich ein buntes FS98 panel, auf dem die Instrumente kaum abzulesen sind. Bei anderen mag es genau umgekehrt sein. Sprich: es wird keiner mit Eric Ernst's 757/767-Panel glücklich, der nicht die Basics z.B. der bleed air systems verstanden hat. Das ist aber kaum Vorraussetzung für ein gute Kenntnis von IFR-Verfahren. (Übrigens mag das Panel noch so gut sein, es fehlt immer noch der FMC und das autoflight system, siehe unten)


> Selbst Maddog überschreitet m.E. bereits die Grenze dessen dar, was der
> fliegende Pilot selber von Hand zu erledigen hat. Der PNF kümmert sich
> nämlich selbst um so kleine Dinge wie APU, Lichtsteuerung, TRC Setting usw,
> um das Thema FMC Programmierung erst gar nicht zu nennen.
>
> Und die Adventures müssten eigentlich immer mit automatischem Copilot laufen,
> weil der PNF auch die Frequenzen rastet und den Sprechfunkverkehr führt.

Jep, agree. Hinsichtlich APU etc. nicht so ganz; im Preflight Check läßt sich in 747PS1 vieles auch bequem von einer Person erledigen. Bzgl. automatischem Copilot kann ich nur sagen, daß 747PS1 und AS2 standardmäßig einen 'Virtual First Officer' eingebaut haben, der nach ATC-Anweisungen die Speed- und Headings-Bugs setzen kann sowie Höhen, DME-Enfernungen und Geschwindigkeiten ausrufen kann.
However...ich denke, der eigentlich Punkt bzgl. Belastung des PF liegt im Simulator ganz woanders. Mir ist es viel wichtiger, daß ich ein brauchbares Autoflight System zur Verfügung habe. Meiner Meinung nach schneidet hier der FS98 grottenschlecht ab. Wenn ich darauf achten muß, daß meine IAS nicht 10kts zu groß oder zu klein wird, dann kann ich auch gleich von Hand fliegen (dann stimme ich zu - für FMC hätte ich dann keine Zeit mehr!). Ich habe das bei einigen Flügen mit SATCO/SATNET gemerkt; mit FS98 hatte ich im Anflug alle Hände voll zu tun. In 747PS1 dagegen hat mir das autoflight system + FMC enorm viel Arbeit abgenommen und ich hatte Zeit, mich um andere Dinge zu kümmern. So sollte es eigentlich auch sein...

Um allerdings so langsam zu einem Ende zu kommen...wo soll der Trend In Zukunft hingehen?
Ich wage (für den M$-Flightsimulator) mal eine realistische Prognose. Nachdem die Architektur sehr offen ist, wird es weiterhin ein breites Angebot an Panels geben. Für die Leute, die 100 verschiedene Flieger auf der Platte haben, die bunten Panels. Für diejenigen, die ernsthaft versuchen, möglichst präzise IFR zu fliegen, die Panels, die Instrumente vernünftig darstellen. Und für die gnadenlosen Realismusfreaks (wie mich ;-) ) die Panels (oder besser noch eigene Programme) mit voller Systemsimulation und hochauflösenden Instrumenten (wie gesagt: Flugzeugsimulator, nicht Flugsimulator)

So, jetzt warte ich mal auf die Prügel, die mir dieses Posting vielleicht einhandelt. ;-))

Markus

FXP 01.03.2000 09:26

Hallo allseits!

Wird Zeit, daß ich mich auch wieder einmal zu einem Flusi-Thema zu Wort melde und ich möchte hier gleich vorweg bitten, dies als eine ganz normales Posting zu Peters Thema zu verstehen. Als meine ganz persönlich Meinung und nicht als "offizielles FlighXPress-Statement". Alles klar? Also dann...

Darf ich dieses interessante Thema von einer anderen Seite angehen: von den ein- bis zweimotorigen, Kolbenmotor getriebenen Kleinflugzeugen, die ich einfach bevorzuge. Solche Maschinen stehen in meinen FS-Startsituationen auf dem APRON meines Heimatflughafens - mit kaltem Cockpit. Sowohl im FS98, als auch im FS2000.

Nun bin ich - wie Ihr alle wisst - berufsbedingt gezwungen, immer wieder neue Flugzeuge zu installieren und auszuprobieren (auch größeres Gerät). Also: FS98 hochfahren, neues Luftfahrzeug auswählen... Nichts ist so lästig, wie wenn jetzt der Tankwahlschalter fehlt... meiner steht nämlich auf "aus".
Im FS2000 ist es noch grauslicher. Da fehlt z.B. einem Flugzeug der Hauptschalter. Klasse, da hilft nur noch, eine andere Situation zu laden, in der dieser eingeschalten ist, den andernfalls sterben Triebwerke nach Autostart sofort wieder ab.
Banalitäten, die mit Peters eigentlicher Fragestellung nichts zu tun haben? Nur scheinbar.
Im Bereich der Kleinflugzeuge kann der FS derzeit schon - mit Einschränkungen - als Verfahrensübungsgerät herangezogen werden. Verfahren kann ich aber nur üben, wenn die benötigten Knöpfe und Schalter vorhanden sind (meine Freude über den Primer in der C-182RG des FS2000 ist z.B. übergroß). Kleinflugzeuge müssen also möglichst präzise instrumentiert sein und eher "nebensächliche" Schalter und Knöpfe erlangen, wie gezeigt, einfach durch ihre Funktionalität Bedeutung.

Wie aber würdet Ihr, liebe Freunde und Jetflieger reagieren, gäbe man Euch einen ganz neuen Simulator einer ganz neuen Firma in die Hand, der Euch sehr komplette Cockpits von Kleinflugzeugen, jedoch nur rudimentär instrumentierte Jet-Cockpits zur Verfügung stellt? Das Nasenrümpfen wäre vorprogrammiert.
Verständlich auch, denn jetzt hat man sich mühsam dazu aufgerafft, einmal "fliegen" zu lernen. Ist Jahrelang mit der Cessna die Platzrunde in Meighs geflogen, kann das Ding nun endlich starten und landen.
Nun macht man den "folgerichtigen" Sprung und setzt sich hinter das Steuer eines Lear einer 737, lernt mühsam, auch dieses Ding zu "beherrschen", sprich, nur noch jedes fünfte mal zu crashen. Und dann entdeckt man den Autopiloten und entwicklt sich zum "Profi".
Dann kommen die ersten Add-Ons und Adventures. Da staunt der Laie!
Und dann kommt das Internet. Eine neue Flusiwelt tut sich auf. Doch Peters Pilotentraining hat man noch immer nicht gefunden. So begnügt man sich einstweilen, mit dem, was man sich aus Readme-Dateien und ähnlichem zusammenreimt. Und merkt, in einem Jet muss es doch noch mehr geben... Gibt es ja auch. Und die Programmierer - die von Microsoft einmal ausgenommen - bauen es immer häufiger auch in ihre Panels ein (bis auf den verfluchten Tankwahlschalter. http://www.flightxpress.de/ubb/wink.gif)
Dann, endlich, findet man Peters Pilotentraining, stellt noch ein halbes Jahr "letzte" Fragen, kauft sich noch den PS1 und den AS2, lernt hier noch die kleinen Unterschiede kennen - und jetzt "kann man's"! Was eigentlich?

Der Grund, warum ich - wie eingangs erwähnt - die Kleinflugzeuge bevorzuge ist nicht der, daß mich große Jets nicht interessieren, ich kann sie nur nicht fliegen! Klar bringe ich sie runter und auch Streckenflug etc. ist kein Problem. Dank Anleitungen wie Peters Pilotentraining (dem ich übrigens noch so manches für mich neues Detail entnehmen konnte) die mir verschiedene Piloten die ich kenne, gaben, geht das schon. Aber - FlightXPress Leser wissen es - ich saß da kürzlich in einem FullMotion 747 Sim und da konnte ich (ich war nicht dran) vom Sitz des Navigation Officers (den gibt's in der 200er noch) beobachten, wie der Instructor, um den Vogel für den gerade "aktiven" Piloten in eine bessere Position für den Anflug zu bekommen, kurz das Kommando übernahm und die 747 per Hand in eine 45Grad-bank-Kurve nahm... und - der VSI bewegte sich nicht!!!!! Das schaffe ich in der Präzision, selbst bei schönem Wetter und wenn ich einen guten Tag habe, nur eher selten mit der Cessna (da gelegentlich allerdings auch in Wirklichkeit).
Das ist Fliegen. Das aber kann man mit dem FS einfach nicht erlernen. Auch nicht mit dem PS1 oder dem AS2. Und das wissen wir, wenn wir einmal ganz ehrlich zu uns sind, eigentlich alle - auch wenn wir's partout nicht wahr haben wollen und im Grunde unseres Herzens immer die Hoffnung hegen, daß wir wenigstens soviel lernen, daß wir im Falle eines Crew-Totalausfalles am Urlaubsflug zum vielgerühmten und weltweit gepriesenen, lebensrettenden Helden werden können.
Schmonzes. Never Ever!

Was aber können wir auf den diversen PC-Simulatoren dann erlernen?
Zuerst einmal hautnah, ganz realistisch und echt können wir die Erfahrung machen, daß man gegen Ende eines Zwölfstundenfluges müde ist und sich sehr konzentrieren muß, um die Landung nicht zu versauen http://www.flightxpress.de/ubb/wink.gif.
Was wir noch lernen können - derzeit allerdings nur zum Teil - sind die diversen Verfahren. UND DAZU BRAUCHEN WIR DIE KNÖPFE, SCHALTER, HEBEL und möglichst alles Andere, was sonst noch in einem echten Cockpit zu finden ist, auch noch. Je mehr davon vorhanden ist, um so realer können wir noch eine weitere Erfahrung machen: Wir können uns in den Stress (abzüglich der Existenzangst) versetzen, in den Linienpiloten alle paar Monate bei ihren Checks am Simulator versetzt werden, wo sie, um ihren Job behalten zu können(!), Situationen meistern müssen, die sie in ihrer gesamtem Pilotenkarriere im im Regelfalle nicht erleben werden brauchen. Wir können erleben, wieviel plötzlich zu tun wäre, wenn den PNF kurz einmal der Schlag trifft. Wir können im FS98 kaum, im FS2000 schon besser im PS1 ziemlich umfangreich erfahren, was Systemausfälle bedeuten. Und irgendwann werden uns irgendwelche Panels für PC-Sims sicherlich auch die Möglichkeit zu Systemausfällen bieten, bei denen mehrere unterschiedliche Verfahren zur Behebung möglich sind oder bei denen man irgendein Bordcomputersystem "überlisten" muß. Wir erlernen jetzt schon Navigation und wir werden irgendwann auch Funksprechverkehr und sonstige Details - erst rudimentär, dann von Version zu Version verfeinert - erlernen können. Wenn wir wollen, haben wir also noch einen weiten Weg vor uns. Eine 747, 767, 737 oder welchen Airbus auch immer fliegen, werden wir aber auch dann mit PC-Simulatoren nicht wirklich erlernen können! Ja wir können damit nicht einmal so weit kommen, uns auf Anhieb in einem "echten" Simulator des jeweiligen Flugzeugtyps völlig zurechtzufinden. Denn es ist ein ganz gewaltiger Unterschied, ob die EPR-Anzeigen oder N1 im Blickfeld vor einem am Bildschirm Mitterechts, oder eine viertel Kopfdrehung und einen Meter und entfernt sind. Dieser räumliche und auch der Größenunterschied macht derart viel aus, daß man sich selbst in einem Cockpit, daß man am PC in- und auswendig kennt, nicht zurechtfindet. Ich weiß bis heute nicht, wo die in Hongkong das DME versteckt hatten, während ich "flog". Nachher war's plötzlich da....
Man darf die PC-Simulation also nicht überschätzen. Doch was macht das schon, daß wir damit nicht lernen werden, einen Jumbo oder ähnliches Gerät wirklich zu fliegen? Kaum einer von uns wird es sich je leisten können/wollen, ein Flugzeug dieser Art für ein, zwei Flugstunden zu mieten. Und, daß nicht irgendein "erfahrener" Simmer plötzlich - so mir nichts, dir nichts - die Umschulung zum Linienpiloten schaffen kann, beruhigt mich als Linienpassagier eigentlich eher... http://www.flightxpress.de/ubb/wink.gif

Doch auch wenn wir das echte Pilotieren eines Jets mit dem PC nicht erlernen können, so bedeutet das nicht, daß die Simulation nicht real sein kann. Sie mag, von der Räumlichkeit nicht der Realität entsprechen, verschiedene Kräfte und Blickwinkel sind nicht und können am PC nicht real dargestellt werden. Und in vielen Bereichen ist die PC-Simulation einfach noch nicht so weit und bietet uns nur Ausschnitte des Spektrums.
Damit wir aber unser Spektrum der Fliegerei immer weiter erweitern können, brauchen wir immer detailliertere, kompliziertere, verfeinerte Cockpits. Doch keine Angst, wenn diese einmal so detailliert sind, daß ihr Handling durch eine Person so stressreich ist, daß man sich das einfach im Regelfall nicht antun will, dann wird es sicher auch Add-Ons geben, die den Co-Piloten simulieren, eventuell sogar mit der Option gelegentlicher menschlicher Fehler.

Ich breche also eine Lanze für die weitere Verfeinerung der Cockpits, denn ich sehe darin eigentich die einzige sinnvolle Möglichkeit, das Hobby PC-Flugsimulation weiterzuentwickeln. Und da Hobby ja immer eine freiwillige, gewollte, selbstgewählte und in angenehmen Umfang getätigte Beschäftigung, also - trotz Konzentrationsbedarfes - ein Vergnügen ist, brauchen Dir, lieber Peter, die SIM-Pilots Flying wirklich nicht leid zu tun, die machen das gerne!

Allerdings: Weder sollten Anfänger sofort mit hochkomplexen Simulationen/Cockpits loslegen, noch sollte man diese auf winzigen Bildschirmen betreiben.
Was ersteres betrifft, so kommt ein Anfänger am Flusi - mangels Wissen über die Existenz diverser Zusätze - ohnehin kaum in die Verlegenheit.
Was zweiteres betrifft: Leute, 19-, 20-, 21-Zöller machen Sinn!!!! Und - wie bei der Cessna - weiß ich auch hier wovon ich Schreibe! (Was das Preisargument anlangt: Wie viele neue Grafikkarten, Festplatten und PCs hat denn Dein Bildschirm schon überlebt - nein nicht Deiner, Du Neukäufer, Deiner http://www.flightxpress.de/ubb/wink.gif)
Auf einem 20"-Monitor aber lässt sich jedes noch so überladene und komplette Cockpit vernünftig darstellen (eventuell unter Einbeziehung "wegklappbarer" Overhead- und Sidepanels). Soferne der Programmierer etwas von Flugzeugen, Cockpits und deren Funktionsweise versteht und nicht nebensächliche Schalter, nur weil sie neu sind groß gestaltet und deutlich beschriftet, um dann für den HSI kaum mehr Platz zu haben.
Dann gilt allerdings auch hier wieder: Wissen und Können ist die wahre Macht. Ich muss wissen, was ich brauche und danach meine Panelwahl treffen. Und finden muß ich die Schalter schon auch und ihre Funktion kennen.
Und das Gerät beherrschen sollte ich auch. Denn dann spielt es überhaupt keine Rolle, ob ich den HSI auf 1Grad genau ablesen kann oder nicht. Beherrsche ich eine Maschine und fliege sie richtig, sind das Powersetting und die Anflugskonfiguration korrekt, dann steuere ich das letzt Grad (denn auf zwei Grad genau lese ich ein gut gemachtes Panel auf einem 19"-Monitor ab) über die Sinkrate...

Wenn all dies berücksichtigt und eingehalten wird, dann spricht eigentlich - meiner Meinung nach - nichts gegen den weiteren Ausbau von Panels.

So, das war's dann. Bin auf diverse Kommentare schon sehr gespannt.

Beste Grüße
Guido

[Diese Nachricht wurde von FXP am 01-03-2000 editiert.]

[Diese Nachricht wurde von FXP am 01-03-2000 editiert.]

Leo 01.03.2000 10:10

Hi!

Als aktiver Pilot und halbwegs erfahrener
FS Fan; Habe ihn schon auf einen 386er (FS3.0 oder so) und am Amiga gespielt.
Ist schon ein paar Jahre her...
Also als FS Fan bin ich leider teilweise enttäuscht, was als Add Ons für teures Geld
angeboten wird. Panels hol ich prinzipiell vom Internet. Bin zB der Meinung daß Panels von A.Jaros (A320) oder Eric Ernst(757/767)
som manchen käuflichen Sachen WEEEEIIIT voraus sind.
Das Problem liegst am so hoch gepriesen
"Photorealismus". Alles Quatsch! Diese Detailtreue oder Kleinpixeligkeit dient nur optischen Eindrücken das Panel selber her ist aber meist mit Funktionen unterbesetzt.
Auch die Framerate leidet sehr unter einem solchen Panel. Es gibt sehr gute Panels die als Verfahrenstrainer eingesetzt werden könnten. Große Gut ablesbare Instrumente.
Ein künstl. Horizont mit dem man wirklich Pitch Power fliegen kann. Ein HSI der Groß genug ist um die Nadel aufs Grad genau zu positionieren und nicht +/- 3°bzw halt eine so grobe Darstellung bietet, daß man schnell ausser Toleranzen kommt.
Viele werden jetzt sagen, na dann kauf dir halt einen ELITE um 2000DM!
1. Bin ich nicht Onassis
2. Hat der FS seine Vorteile bez. Adventure,
ATC,versch. Flugzeuge und Panels.
3. Hat der Elite nicht so eine Community wie hier!
Ich habe ebnfalls den 747PS1 ausprobiert und war von dem Detail dieses Simulators angetan.
Dies betrifft alle Systeme und so.
Die Grafik fand ich zum Kotzen. Er ist sein Geld trotzdem wert, da alles andere recht gut gelungen ist, nur manuell fliegen ist sauschwer. Selbst mit Flight Director.
Glaubt es mir Jungs, manche flieger im FS sind schwerer zu handeln als die Jets in Real Life. Allein vom fliegerischen her.
Natürlich gibt es Systeme und Sachen im real life flieger von denen ein "Simulant" nicht einmal gehört hat aber um das sol es im FS auch nicht gehen. Er soll Spaß machen und gleichzeitig etwas lehrreich sein.Er soll aber auch kein Spielzeug sein oder so behgandelt werden, denn die Optionen die er bereit hält, interessieren auch immer mehr Flugschulen die zum Basic IFR Training auch den FS98 verwenden.Was zum Beispiel einen Gute Instrumentierung ausmacht könnt Ihr am
Beispiel des PFD von Enrico Schirati sehen.
DER ist wirklich gut! Check it out!
Kostet zwar was aber Demos könnt Ihr downloaden. Ist sin Gweld 100%ig wert.
Oooops!Hab ich jetzt Werbung gemacht?
Grüße


Michael Marx 01.03.2000 19:30

Ich denke, zwischendurch mal ein "kurzes" Statement lockert die Sache ein wenig auf:

Ich persönlich, bevorzugter 737-400 PIC, kenne ´ne Menge Panels aus dem freeware und add-on Bereich und muß sagen, das hier gilt: Weniger ist mehr. Natürlich müssen alle notwendigen Schalter - siehe Guido - vorhanden UND funktionstüchtig sein! Aber auf nicht funktionierende Toilettenbeleuchtungs-Switches oder den ganzen Wetterradar"DEKO"-Scheiß usw. kann ich gut verzichten.

Mein Aufruf an die Paneldesigner: Räumt auf und spart nicht an den Notwendigkeiten!

Man kann hier leider eine Tendenz zur Verschnörkelung feststellen - bei Spielen völlig o.k. - beim Flugsimulator total unangebracht, für den, der es ernsthaft betreibt und sich wirklich auf die Vorgänge auf´m Bildschirm konzentriert.

Gruß,

Michael Marx

Cliff 07.03.2000 22:00

Auch wenn es nett ist, beim Betätigen des Schalters für die Anschnallzeichen den Gong zu hören, es ist ein überflüssiger Gimmick. Wenn Platz ist im Cockpit, ok, sonst brauche ich ihn nicht.
Ich bin dafür, die Panels so einzurichten, daß den notwendigen Instrumenten Vorrang eingeräumt wird, wobei eine gute Ablesbarkeit wichtig ist. Wenn dann noch Platz bleibt, kann man etwas für die Optik tun. Die Anordnung sollte halbwegs der Realität entsprechen, wobei es immer einen Kompromiß geben muß, da der SimPF auch Aufgaben des SimPNF übernehmen muß. Nach diesem Prinzip habe ich meine Panels ausgesucht. Außerdem haben die meisten Simmer kein Panel mit echten Knöpfen, sondern sind auf Tastenkombinationen und Mausklicks angewiesen. Das erschwert die bedienung erheblich. Ich habe mit einem Scenery-Add-On ein paar Airbusse mit tollen Panels bekommen. Da fehlt fast nichts. Nur fliegen kann man damit nicht. Viele Schalter sind ohne Funktion, die anderen sind so klein, daß man mit der Maus leicht daneben trifft. Die Beschriftung ist teilweise nicht lesbar, einschließlich Frequenzen. Dafür bräuchte ich einen Großbildschirm und eine CAD-Karte, die 2000x3000 Pixel schafft. Doch wenn das Teil für eine Auflösung von 800x600 erstellt wurde, hilft auch das nicht.
Noch ein Wort zum Streß: Die Sim-Piloten setzen sich dem freiwillig aus (ganz schön blöd, ohne dafür bezahlt zu werden). Und bekommen einen Eindruck davon, was beim Final im Cockpit wirklich los ist. Dafür haben sie wenigstens eine Pausentaste... Etwas Streß gehört nun mal dazu, sonst wäre es unecht.
Fazit: Bei den Panels auf das Wesentliche konzentrieren, das dafür gut machen, soweit vertretbar, an die Wirklichkeit anlehnen. Wir werden wohl kaum in die Verlegenheit kommen, eine ausgefallene Crew ersetzen zu müssen und den Flieger heil nach hause zu bringen, das ist und bleibt weiter unrealistisch. Wäre aber eine gute Idee für einen weiteren dieser einschlägigen Katastrophenfilme...
Ich sehe aber auf uns zukommen, daß der Optik mehr Priorität eingeräumt werden wird als der Funktionalität. Die Rechner werden leistungsfähiger und mit schöner Optik läßt es sich besser verkaufen. Die Mehrheit der PC-Flieger legt doch mehr Wert auf den Spaßfaktor.

Viele Grüße an die Enthusiasten,

Cliff

Urs Wildermuth 16.03.2000 20:47

Hallo Peter,

<<Wenn ich mir hier das Panel der 757/767 anschaue, welches einen sehr hohen Kenntnis- und Bedienungsstand erfordert (und äußerst realistisch gemacht ist), dann bedauere ich aber die PC Piloten.

Denn sehr sehr viele Einstellungen, die vor und während eines realen Fluges zu tätigen sind, übernimmt dabei der Pilot not flyling (PNF). Im Simulator dagegen muß der arme Mensch vor dem Computer - er ist ja immer der Pilot Flying - neuerdings auch noch viele Dinge erledigen, bis hin zum Sprechfunkverkehr auf Wunsch.>>

Danke, dass Du das Problem mal ansprichst, denn ich habe manchmal das Gefühl, dass es einerseits extrem ins Detail geht, während wichtigere Dinge wie Flugmodell darunter leiden.

Bei der AS2 Entwicklung hatten wir genau dieses Problem. Wollen wir nun hier einen Systemtrainer oder einen Flugsimulator? Ein Flugsimulator soll noch fliegbar sein, und die Piloten nicht mit zu viel Systemdingen ablenken. Genau so haben wir die Panels dann auch gemacht, alles da was es zum Fliegen braucht, aber nichts weiteres.

Mad Dog und Eric Ernst's Panels sind mit Sicherheit sehr hochstehend und vom Besten, was der FS zu bieten hat. Aber wie Du sagst, es kann sehr eng werden, wenn man alleine ist und die ganzen Listen durcharbeiten soll, während man noch ein Adventure fliegt.

Ich fliege meist die MD11 von Alain Capt, denn dort ist die Balance noch gut gegeben.

Gruss

Urs


Urs Wildermuth 16.03.2000 21:02

Hallo Markus,

<<Ich persönlich kann mit so einem Panel nicht fliegen, denn: jeder Airliner wird IFR geflogen. Was hilft mir aber ein schönes Panel, wenn der künstliche Horizont meinetwegen 40x40 pixel groß ist und ich den Höhenmesser nicht richtig ablesen kann. Traurig aber wahr, aber solche Panels gibt es zu genüge. Nach meiner Meinung steht bei einem vernünftigen Panel nicht das Aussehen im Vordergrund sondern die Instrumente. Ein löbliches Beispiel dafür ist das Panel des AS2. Hier klebt der künstliche Horizont über die HSI und stößt fast mit dem Höhenmesser zusammen, so daß man mit einem Photo nichts vergleichen braucht. Dafür sind die Instrumente aber gestochen scharf, groß(!) und können nicht skaliert werden. Das einzige, was dem im FS98 nahekommt, sind die RealCRT-Gauges (übrigens mein einziges(!!) kommerzielles FS98-Addon - aus gutem Grund fliege ich den FS98 nur mit solchen Panels).>>

Du triffst den Nagel auf den Kopf. Was nutzen all die feinen Systeme,wenn ich den Flieger dank kleiner Instrumente nur mit dem AP fliegen kann? Und dies noch mit dem recht unstablilen Modell des FS? Das ist echt hart. Ich habe mir z.B. die MD11 von Alain noch vergrössert, das heisst etwa auf AS2 Standard geholt, und mit NAVSTAR FMC versehen. Aber das Fliegen wird dadurch recht interessant.

Was wirklich interessant werden könnte ist, wenn diese Panels zu zweit bedient werden, was ja dank den diversen Netzwerkmodulen durchaus geht. Dann machen die extremen Systeme wieder Sinn.

Gruss

Urs



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